Gütesiegel für das Stadtmuseum

Die Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Dörte Beier (2.v.r.), nimmt als eine von sechs Preisträgerinnen die Urkunde entgegen.

Kultureinrichtung professionalisiert und durch Fachjury zertifiziert

Erneut wurden sechs Museen mit dem Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ in Kiel ausgezeichnet. Sechs Frauen nahmen jeweils den Preis entgegen. Einige von ihnen waren bereits 2014 als Teilnehmer in der ersten Runde der Museumszertifizierung in Schleswig-Holstein dabei und mussten sich nach fünf Jahren wieder der Überprüfung durch die Museumsberater und eine international besetze Fachjury stellen, um die Museen des Landes zu professionalisieren und zeitgemäß aufzustellen.

Dr. Julia Pfannkuch beschrieb vor Ort die Motivation des Schleswiger Stadtmuseums, sich der Zertifizierung anzunehmen. Anlässlich eines personellen Wechsels in der Leitung des Schleswiger Museums wurde bereits 2017, wie es seinerzeit der hiesige Kulturausschuss in drei Schritten beschloss, eine Weiterentwicklung zu einem Bürgermuseum initiiert. In der ersten Etappe ging es für die Schleswiger Stadtverwaltung laut Dr. Pfannkuch primär darum, freie Räumlichkeiten in der Liegenschaft des Stadtmuseums an Dritte zu vermieten. „Dieser Schritt sorgte durch die Kooperationspartner für eine weitere Belebung und erhöhte die Anzahl an Besuchern“, rechnete die Fachbereichsleiterin des Fachbereichs Bildung, Kultur und Ordnung der Stadt Schleswig vor. Die zweite Etappe lief in diesem Jahr. Durch eine Förderung der Aktiv-Region ist der Grundstein einer multifunktionalen Kulturwerkstatt gelegt worden. In den Räumen der historischen Druckerei und alten Friedrichsberger Schule wird die Kulturwerkstatt eingerichtet. Eine Eröffnung ist laut Dr. Pfannkuch im Herbst 2020 geplant. Des Weiteren wurde durch eine städtische Kooperation der Kultureinrichtungen Stadtmuseum, Volkshochschule und Stadtbücherei für Kulturschaffende vor Ort in diesem Jahr ein neuer kultureller Bildungsort geschaffen – einschließlich oder in Verbindung mit den städtischen Schulen.

Als finale dritte Etappe wird im nächsten Jahr ein Kinderhaus geschaffen, informierte Dr. Julia Pfannkuch in Kiel. „Es werden dann Sammlungen im neuen Kinderhaus zusammengeführt, ein Museumsbistro eröffnet sowie eine Barrierefreiheit im Palais geschaffen“, skizzierte die Fachbereichsleiterin eine Reihe von Veränderungen.

Dafür werden auch die personellen Ressourcen verbessert, „was hoffentlich Rückenwind für künftige Beantragungen unter anderem von Fördermitteln gibt“, ergänzte Dr. Pfannkuch. Denn während der gesamten Zeit der konzeptionellen Arbeit für die Museumszertifizierung lief das Programm der Ausstellung sowie der nachfolgenden Planung weiter. Somit ist das Museum professioneller aufgestellt, was nicht nur die Besucher erfreuen wird, ist sich Dr. Pfannkuch sicher, sondern auch die Kommunalpolitik. „Wir hoffen, gut aufgestellt zu sein für die Zukunft – auch gegenüber dem Land Schleswig-Holstein“, sagte sie abschließend.

Im Verlauf der Zertifizierung mussten die Museumsteams an sechs Fortbildungen zu den Standards für Museen teilnehmen, einen ganzen Ordner voller Pflichtdokumente zur fachlichen Arbeit im Museum zusammenstellen und eine Liste an „Monita“ erfüllen, die ihnen nach einem eingehenden Beratungsgespräch durch die Museumsberater und die Leiterin der Museumsberatung und -zertifizierung, Dagmar Rösner, auferlegt wurden. Ziel all dieser Maßnahmen sind die Qualitätssicherung der wissenschaftlichen Grundlage der Museen und die Optimierung aller Bereiche der Museumsarbeit – von der Inventarisierung der Sammlung bis hin zur Ausstellungsgestaltung, Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Dagmar Rösner konstatierte: „Die Aufgaben der Museumsleitungen nehmen ständig zu: Zum einen wird eine fundierte wissenschaftliche Arbeit erwartet, zum anderen müssen sich die Museen einer gewandelten Gesellschaft anpassen, um ihrem Bildungsauftrag nachzukommen und für die Besucherinnen und Besucher attraktiv zu sein. Das setzt zunächst einmal eine Besucheranalyse – und vor allem eine Nicht-Besucheranalyse – voraus. Danach müssen oft neue Vermittlungs- und Ausstellungskonzepte sowie Marketingstrategien entwickelt werden. Die Museumsleitungen sind heute längst nicht mehr nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, vielmehr werden von ihnen Managerqualitäten und die Auseinandersetzung mit neuen Anforderungen wie Digitalisierung, Inklusion und gesellschaftliche Partizipation erwartet.“

In diesem Jahr wurden neben dem Stadtmuseum Schleswig, das Dr. Carl-Häberlin-Friesen-Museum in Wyk/Föhr, das Künstlermuseum Heikendorf-Kieler Förde, das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum, das Deutsche Baumschulmuseum in Pinneberg und das Museum der Landschaft Eiderstedt mit dem Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ ausgezeichnet. Die Trägerschaft obliegt Nordkolleg Rendsburg und wird vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein finanziert.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.