LICHTVERSCHMUTZUNG

Fast alles Licht strahlt in alle Richtungen

Eigentlich hatte ich es aufgegeben, einen nicht erschienenen Leserbrief wenigstens hier noch zu veröffentlichen. Denn er bezog sich auf folgenden am 6. Februar 2020 in den Schleswiger Nachrichten erschienen Artikel: „Lichtverschmutzung: Kaum noch Sterne am Himmel über SH: Wo sind sie geblieben?“ Die Quelle dürfte den SHZ-Abonnenten des Epaper und jenen, die die Zeitung jenes Tages aufbewahrt haben, noch zugänglich sein: https://www.shz.de/27266657 ©2020).

Am Nachmittag des 15.Februar stieß ich jedoch im Ersten Programm des Fernsehens auf einen Bericht, der dieses Thema auch aufgriff und es von einer noch etwas anderen Seite „beleuchtete“. Der TV-Bericht liegt als öffentlich verfügbare Quelle vor. Er kann von folgendem Link aus angesehen und gelesen werden: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/kunstlicht-video-100.html

Ich zögere nicht, mich zur Lichtverschmutzung in Schleswig nun doch noch zu äußern. Sollte dies in einigen Teilen etwas tendenziös ausfallen, so ist das durchaus beabsichtigt:

Im Gegensatz zu der oft wissenschaftsfernen Streiterei um die Klimadebatte lässt sich den Aussagen über die feststellbare Lichtverschmutzung über Städten und bald auch überall auf dem Land kaum etwas Stichhaltiges entgegensetzen. Das schmale Argument, dass gut ausgeleuchtete Straßen und Wege vorrangig ja überhaupt nur wegen der Sicherheit ihrer Nutzer angelegt wurden, sollte deshalb an jedem Ort nach den dort tatsächlich vorliegenden Umständen kritisch geprüft werden.

Schauen wir uns einmal nachts in unserer Stadt Schleswig um. Wer dort lebt oder arbeitet, dürfte die Innenstadt in der jetzigen dunklen Jahreszeit leicht vor Augen haben. Ein sorgfältiger Umgang mit nächtlicher Beleuchtung wird hier wohl kaum erkennbar. Dabei sind lange schon Gründe genug bekannt, dass ein Übermaß an nächtlichem Licht gesundheitsschädigend wirkt. Weniger bekannt -und dennoch naheliegend – sind die Auswirkungen auf Tiere, darunter z.B. auf Insekten, die angezogen vom Licht so nachhaltig in ihren Lebensabläufen gestört werden, dass mit dem Schwinden der Insekten, zugleich zum Teil das der Vögel erklärlich wird.

Werbung leuchtet die ganze Nacht hindurch

Menschliche Nachtschwärmer hingegen haben ein verständliches Bedürfnis nach ausreichender Beleuchtung, damit sie sicher ihres Weges gehen oder fahren können. Grell leuchtende Werbeschilder aber, welche die gesamte Nacht hindurch erstrahlen, lassen vermuten, die Werbenden versuchten jene zu erreichen, die von Werbeeinblendungen aus Fernsehen und Internet nie genug bekommen können und daher beim nächtlichen Spaziergang oder auf dem Nachhauseweg im Auto ohne diese Einflüsterungen Entzugserscheinungen erlitten.

Und da das Leuchten der Werbung auch die neuen Stadthäuser in Schleswigs Zentrum nicht verschont, in deren gläsernen Fassaden sie sich spiegelt, fragt man sich, ob die so lichtstark Werbenden glauben, dass die Bewohner allein deswegen gleich morgen schon kommen werden, einzutauchen in die schöne Welt des Einkaufs, die ihnen von gegenüberliegenden Fassaden so dauerhaft und überbelichtet zugespielt wird?

Ampeln, Werbetafeln, Laternen alles wirft Licht in die Fenster und auf die Hauswände

Glücklicherweise aber können die Bewohner am Abend den Weg von der Einkaufszone her wenigstens leicht nach Hause finden: Ihre Eingangstüren sind mit meterhohen und -breiten Leuchtflächen versehen. Auf denen stehen, selbst vom Satelliten aus erkennbar, die Hausnummern in Plakatgröße. Wie schön! Auf meinen Fotos hat das viele Licht sie leider verschluckt. Wie schade!

Die Sterne darüber, wen gehen die schon etwas an, die kann sich ohnehin kein Mensch merken. Doch wie gut, dass die Ampeln an der Hauptkreuzung vor diesen neuen Bauten die ganze Nacht über in Betrieb sind. So kommt selbst ein unglücklich sehbehinderter Nachtwanderer unbehelligt von einer Straßenseite zur anderen, begleitet vom unentwegten Piepen seiner freien Überweg garantierenden Ampel. Oder doch nicht? Übertönt nicht gerade das ungeduldig an der Ampel wartende nächtliche Fahrzeug mit den daraus dröhnenden Bässen das dagegen nur schwache Dauerpiepen, zumal dessen Fahrer den Motor nun schon zum dritten Mal ungeduldig aufröhren lässt?

Zum Glück gab es hierzulande, will sagen bei uns in Schleswig, Architekten und Behörden, die es verstanden, der Zeit auf den Zahn zu fühlen, damit Schleswig sich zur Großstadt mausern kann.(Verzeiht mir die erneute Anleihe ans Tierreich, mir fiel nur gerade ein, dass Vögel dabei erheblich Federn lassen müssen).

Hausnummernleuchten groß wie Türen und alle paar Meter Wegestrahler

So sehe und erfahre nicht nur ich Schleswig bei Nacht! Und deswegen, liebe Schleswiger: Schaltet endlich nachts überflüssige Ampeln, überzählige Laternen und überflüssige Werbetafeln aus! Investiert langfristig in ausschließlich nach unten gerichtete Straßen- und Wegebeleuchtung, auch auf Privatgeländen! Und lernt z.B. vom Lichtsparer in Löwenstedt! Dann schaut auch ab und zu einmal in den Sternenhimmel. Ihr werdet merken, was Euch wirklich fehlt!