NGG fordert bessere Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche im Kreis Schleswig-Flensburg

Fleisch als Ramschware: Unter den Billigpreisen für Schwein, Rind und Geflügel leiden nicht nur die Tiere. Auch die Beschäftigten in der Fleischbranche arbeiten zu prekären Bedingungen, kritisiert die NGG.

Teils katastrophale Zustände in der Schlachtung und Fleischverarbeitung

1.130 Beschäftigte in der Schlachtung und Fleischverarbeitung NGG fordert bessere Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche im Kreis Schleswig-Flensburg Billig-Fleisch in der Kritik: Unter den Dumpingpreisen für Schwein, Rind und Geflügel leiden nicht nur die Tiere. Auch die Beschäftigten in der Fleischbranche haben immer häufiger mit prekären Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Schleswig-Holstein Nord. Allein im Kreis Schleswig-Flensburg sind nach Angaben der Arbeitsagentur rund 1.130 Menschen in der Schlachtung und Fleischverarbeitung beschäftigt.

Nach Beobachtung der Gewerkschaft sind unbezahlte Überstunden, undurchsichtige Werkverträge und Lohn-Prellerei in vielen Betrieben der Branche an der Tagesordnung. „Hier muss der Zoll viel gründlicher als bisher kontrollieren“, fordert NGG-Geschäftsführer Finn Petersen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums prüften die Hauptzollämter Kiel und Itzehoe im Jahr 2018 nur sechs Betriebe der Fleischwirtschaft in Schleswig-Holstein. Trotzdem entdeckten die Zöllner einen Schaden von gut 22.000 Euro wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialbeiträge, wie eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke zeigt.

„Unter den schlechten Arbeitsbedingungen leiden besonders oft Beschäftigte aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien. Sie werden mit dem Versprechen guter Löhne gelockt – und hier dann regelrecht ausgebeutet“, sagt Finn Petersen. Der Gewerkschafter berichtet von gefälschten Stundenzetteln, um unbezahlte Überstunden zu vertuschen, von zugestellten Notausgängen und Unterkühlung in der Fleischzerlegung. „Hinzu kommt, dass vielen Beschäftigten auch noch ein Großteil des Lohns für eine maßlos überteuerte Unterkunft und Verpflegung abgezogen wird.“

Eine Hauptursache für diese Zustände liegt nach Ansicht der NGG im System der Werkverträge. Dabei wird der Mitarbeiter für eine bestimmte Tätigkeit, also etwa die Zerlegung einer festen Menge von Rindern, bezahlt. „Hier ist Missbrauch an der Tagesordnung. Bei gravierenden Verstößen, die der Zoll bei seinen bundesweiten Kontrollen entdeckt, sind meist Werkverträge im Spiel“, so Petersen. In Betrieben hingegen, die mit mehr Stammpersonal arbeiteten und sich an Tarifverträge halten, gebe es kaum Beanstandungen.

Die Gewerkschaft NGG ruft die norddeutsche Fleischindustrie dazu auf, sich zu Tarif- und Sozialstandards zu bekennen. Die Landesregierung müsse die Branche genau im Blick behalten und Schlachthöfe sowie verarbeitende Betriebe regelmäßig kontrollieren. Außerdem solle das Arbeitsministerium eine kostenlose Rechtsberatung für ausländische Beschäftigte anbieten – in ihrer Muttersprache.

„Aber auch die Verbraucher und der Handel sind gefragt. Ein Kilo Hähnchenschenkel für zwei Euro – das geht einfach nicht. Mit solchen Preisen ist kein Tierwohl möglich. Und auch keine Arbeit, von der man leben kann“, betont Petersen.