Frauen in Schleswig: Caroline Bauer- Eine in ihrer Heimatstadt völlig vergessene Schleswiger Pädagogin von großer Bedeutung

Caroline Bauer war eine der Pionierinnen und Vorreiterin für die Mädchenarbeit und den speziellen Unterricht von Mädchen in Norwegen. Sie leitete 25 Jahre lang ihre eigene Mädchenschule in Oslo (Kristiania) und beschäftigte sich u.a. mit der Ausbildung von Lehrerinnen und der Verbesserung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen. Sie selbst blieb ihr Leben lang unverheiratet, wobei auf Familie zu verzichten und sich ganz bewusst einer beruflichen Erfüllung zu widmen, in dieser Zeit  durchaus als emanzipative Entscheidung  gesehen werden konnte. In diesem Zusammenhang sollte auch das sogenannte „Lehrerinnenzölibat“, welches lange Zeit das Berufsethos der Lehrerinnen prägte, vor allem die „innere Berufung“ zum Ausdruck bringen.. Ab 1880  bis 1919 war eine Verehelichung von Lehrerinnen sogar gesetzlich  verboten, da eine Vereinbarung von Ehe und Beruf als nicht gegeben angesehen wurde.

Eine Vielzahl Menschen aus der Landschaft Angeln und besonders aus den Städten Flensburg und Schleswig sind im Laufe der Jahrhunderte in die Länder dieser Welt und so u.a. auch nach Norwegen ausgewandert. Schon seit dem Mittelalter weisen die Quellen zahlreiche Familien nach, die in Norwegen eine neue berufliche und damit verbunden eine wirtschaftliche Perspektive sahen. Zu ihnen gehörte auch die Schleswiger Pädagogin Caroline Bauer, die sich im 19. Jahrhundert im südlichen  Norwegen mit ihrem Lebenswerk und hier besonders mit ihrem Einsatz für Frauen und Mädchen ein Denkmal setzte.

Auch wenn Caroline Bauer am 16. April des Jahres1828 als Carolina Helena Friedrica Bauer in Lütjenburg in Ostholstein geboren worden war,  ist ihre Familie und besonders sie selbst doch in Schleswig beheimatet gewesen. Caroline Bauer hat einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in der alten Herzogstadt Schleswig verbracht. Ihr Vater war der in den Quellen angegebene Senator, Kaufmann und „Collecteur der Zahlenlotterie“  Heinrich Friedrich Carl Bauer (*1797 in Schleswig + 25. 1. 1861 in Ahrensbök). Von ihrer Mutter Dorothea Franciska Johanna Bauer geb. Klug wissen wir, dass sie am 22. November 1802  in Burg auf der Insel Fehmarn geboren wurde. Sie war das jüngste von fünf Kindern des Kaufmannes Christian Otto Klug (*1763) auf Fehmarn und seiner Frau Gerdruth geb. Witte (*1766).  Das Ehepaar Bauer  lebte in Schleswig im 2. Quartier. Außer Caroline gab es noch drei weitere Töchter in der Familie: Die 1826 in Schleswig geborene Louise Theodora Henriette (Sie heirate später in Lübeck Friedrich August Georg Kirschenstein und starb am 23. März 1903 in Lübeck), die 1830 geborene Wilhelmine Charlotte (heiratete später Ludolph Wichmann in Meldorf) und die 1833 in Schleswig  geborene Helena Caroline Emilie. Der einzige Sohn im Haus war der 1824 geborene Friedrich Wilhelm Bauer, welcher später in Ahrensbök Maler wurde. 1845 finden wir die Familie Heinrich Friedrich Carl und Dorothea Franciska Johanna Bauer im „Holstendorfer Feld“ bei Ahrensbök wieder. Die Tätigkeit des Vaters ist hier mit „Chaussee- Einnehmer“ angegeben. Caroline Bauer absolvierte mit nur 16 Jahren ihre Ausbildung als Lehrerin für eine „Höhere Mädchenschule“ an  einer privaten Institution unbekannten Ortes. Sowohl im Landesteil Schleswig als auch im Landesteil Holstein existierten zu dieser Zeit vielerorts zahlreiche Mädchenschulen dieser Art. Hierher kamen viele junge Mädchen aus den besser gestellten Familien.

Nach ihrer Ausbildung als Lehrerin arbeite Caroline Bauer zunächst zehn Jahre lang als Assistenzlehrerin im Bereich der Mädchenschulen und auch als Gouvernante bzw. Hauslehrerin, bevor sie 1855 mit 27 Jahren nach Oslo ging, welches damals noch Kristiania oder vorher Christiania geheißen hat. Hier wurde sie Lehrerin an der zu dem Zeitpunkt bekanntesten Mädchenschule der Frau Wilhelmine Autenrieth geb. Grell  Nach sechsjähriger Tätigkeit in Oslo an dieser Schule holte man Caroline Bauer aufgrund ihrer herausragenden pädagogischen Fähig- und Fertigkeiten in die Stadt Drammen, 41 km südwestlich von Oslo, um hier eine Schule zu gründen. Caroline Bauer wirkte in Drammen, genauso wie vorher in Oslo, mit so großem Erfolg, dass man nur mit „…der allergrößten Hochachtung von Fräulein Bauers Schule“ sprach. An der Schule in Drammen wurden alle Fächer nur in Deutsch unterrichtet. Die Institution galt als beste und vornehmste Schule von ganz Drammen und sogar auch von ganz Oslo. Während die Drammener Schule ursprünglich im Hause des deutschen Kaufmanns und Konditors Günther eingerichtet war, wurde sie später in ein größeres Haus verlegt und erhielt offiziell das „Mittelschulexamensrecht“.  Die Schule umfasste 5 Klassen und dauerte 9 Jahre. Caroline Bauer leitete die Schule zusammen mit dem Theologen Niels Halvorsen, der ebenso wie sie eine volle Stelle an der Schule innehatte. Im Jahre 1869 zog Caroline Bauer dann zurück nach Oslo, weil ihr die Leitung ihrer alten Schule angetragen wurde. Niels Halvorsen begleitete sie und wurde auch hier wieder mit ihr in zweiter Leitungsfunktion eingestellt. Die Schule erhielt nun nach Caroline Bauer den Namen „Frøken Bauer Pigeskole“ (Fräulein Bauers Mädchenschule). Caroline Bauers Schulgründung in Drammen wurde von dem Theologen S.G. Bøckmann übernommen, der aus ihrem ehemaligen Lehrerkollegium stammte. Bøckmann leitete die Schule bis zum Jahre 1878, bevor sie danach von Frau Henriette Wulfsberg übernommen wurde, die dann 1886 mit der „Thora Bordoes Schule“ zur „Frøknene Wulfsberg og Bordoes Pigeskole“ fusionierte.

Als Niels Halvorsen im Jahr 1882 starb,  fungierte Caroline Bauer als alleinige Direktorin an der Schule bis 1888. In diesem Jahr wurde ihr der Theologe Jakob Keyser Berle (1859-1938)zur Seite gestellt, der die Schule mit ihr zusammen leiten sollte. Nach sechs weiteren Jahren Schulleitung und insgesamt 25 Jahren in Leitungsfunktion überließ Caroline Bauer 1894 Berle die alleinige Führung der Schule. Dieser verlegte 1897 die Schule vom Kristian Augusts-Tor, wo sie seit ihrer Gründung war, zum Professor Dahls-Tor, wo sie (unter dem Namen Berles Schule) weiterexistierte bis der Schulbetrieb 1969 nach 125 Betriebsjahren eingestellt wurde.

Der Unterricht für junge Mädchen war Caroline Bauer ihr berufliches Leben lang immer sehr wichtig. Sie vertrat die Auffassung, dass die Ausbildung und Erziehung von Mädchen in der Qualität der Ausbildung und Erziehung von Jungen entsprechen musste und dennoch unterschiedlich sein sollte: In der Mädchenbildung sollte Individualität eine wichtige Rolle spielen, und Mädchenprüfungen sollten ein Reifetest sein und kein Wissenstest. Bereits ab 1869 konnten Jungen in Norwegen die Oberschule abschließen. Erst ab 1876 konnten auch Mädchen diese Prüfung ablegen, dann aber nur an Jungenschulen. Caroline  Bauer war es, die sicherstellte, dass Mädchen ab 1877 ein Mittelschuldiplom speziell an Mädchenschulen erhalten konnten.

Caroline Bauers Tätigkeit als Lehrerin war auf klaren, kräftigen Unterrichts- und Erziehungsgrundsätzen aufgebaut. Die Schülerinnen nahmen, so heißt es, ein besonderes Interesse für die deutsche Dichtkunst „für ihr ganzes Leben mit“. Doch war sie nach Berichten aus der Zeit nicht nur eine gute Lehrerin, sie war auch vor allem eine bewährte und einfühlsame Erzieherin, deren „Erziehungskunst“ auf eine „harmonische Geistesbildung“ und auf einer betont christlicher Grundlage aufbaute. Zu dieser Zeit war ihr Erziehungsstil auch für Norwegen noch eine absolut fortschrittliche Neuerung. Schon im Jahre 1884 hatte Caroline Bauer diesbezüglich ein ausführliches Schulprogramm herausgegeben, welches in Norwegen große Aufmerksamkeit hervorrief. Ihre Unterrichtsarbeit wirkte zu diesem Zeitpunkt im ganzen Land bahnbrechend.

Caroline Bauer war eine qualifizierte Schuldirektorin mit sehr guten Leitungs- und Führungsqualitäten und konnte so  viele gute Lehrerinnen und Lehrer an ihrer Schule sammeln. Ihr Ziel war es immer, eine Schule zu schaffen, die den Schülerinnen solides, gründliches und zeitnahes Wissen vermittelt. Ebenso betonte sie aber auch die ethische Erziehung; Sie sah es als äußerst wichtig an, bei ihren Schülerinnen „Herzbildung“ zu entwickeln. So wurde sie in ganz Norwegen als qualifizierte und methodische Lehrerin bekannt, die sich nicht nur durch die notwendige Disziplin, sondern vor allem durch ihr echtes menschliches Interesse an ihren Schülerinnen auszeichnete. Die deutsche Sprache als ihre Muttersprache blieb immer ihr Hauptfach.

Caroline Bauer fühlte sich aber nicht nur für ihre Schülerinnen, sondern auch für die Ausbildung der Lehrerinnen sehr verantwortlich. Als immer mehr junge Mädchen Zugang zur Schule erhielten, stieg auch der Bedarf an Lehrern und Lehrerinnen in den Bürger-, Mittel- und Grundschulen. Frauen hatten in Norwegen erst nach 1890 Zugang zur öffentlichen Lehrerausbildung, wobei Caroline Bauer auch an diesem Entscheidungsprozess nicht ganz unbeteiligt war. Doch schon vorher im Jahre 1877 war durch ihre Initiative eine separate “Schule für die Weiterbildung erwachsener Schülerinnen” eingerichtet worden. Diese sollte insbesondere dazu beitragen, speziell auch Lehrerinnen auszubilden. Nach 1894 in ihrem Ruhestand sammelte Caroline Bauer einen Kreis von interessierten norwegischen Lehrerinnen um sich, die sie vor allem in der Sprache Deutsch unterrichtete.

Aus Sorge um die Lebensbedingungen vor allem älterer Lehrerinnen hatte Caroline Bauer 1889 den „Unterstützungsverein für Lehrerinnen in Kristiania“ (Oslo) gegründet. Diesem Verein vermachte sie später in ihrem Testament ein Legat von 20.000 Kronen als Beitrag zur Errichtung eines Heims für Lehrerinnen, denen ihre besondere Fürsorge galt.

Caroline Bauer starb am 23. Januar 1909 im Alter von 81 Jahren und wurde vielerorts aufrichtig betrauert.

Weitere Lebensbilder von Frauen in Schleswig sind zu lesen in: „Unter der Rose – 24 Lebensbilder herausragender Frauen der Schleswiger Stadtgeschichte“ von Jens Nielsen aus dem Jahre 2020. Das Buch ist für 12 € bei den Buchhandlungen Liesegang und Schröder in Schleswig zu erwerben.