St. Johanniskloster – Ein verwunschener Ort der Stille

Das St.-Johannes-Kloster in der Abendsonne.

Manchmal trügt der erste Eindruck, denn von außen macht das Schleswiger St. Johanniskloster nicht überall einen gepflegten Anschein. Doch was sich hinter den Klostermauern am Holm verbirgt ist eine wahrhaftige Perle unserer Stadt mit einer langen Geschichte und absolut einen Besuch wert.

Das St. Johanniskloster vor Schleswig, so die offizielle Bezeichnung, war ursprünglich ein Benediktinerinnenkloster und wurde im Jahre 1194 gegründet. Nach der Reformation wurde es in einen Damenstift umgewandelt, behielt dabei doch seinen Namen. Die Anlage, direkt am Ufer der Schlei gilt übrigens als besterhaltene Klosteranlage in Schleswig-Holstein.

Zur Zeit der Klostergründung hatte Schleswig noch die Stellung Haithabus, welches nach einem Brand 1066 aufgegeben wurde, als überregionales Handelszentrum des Nordens inne. Allerdings verlor es diese alsbald an Lübeck und die entstehende Hanse. Etwa zeitgleich entstanden in Schleswig das Franziskanerkloster St. Paul (1234) und das Dominikanerkloster St. Maria Magdalena (1235). Unser Dom war zu dieser Zeit noch eine romanische Basilika, die vor 1134 errichtet wurde und 1275 teilweise einstürzte.

Bei Klostergründung wurden das noch heute existierende Petri-Portal (1180) und die Kanoniker-Sakristei (1230) errichtet. Belegt ist, dass das Kloster im Jahre 1402 neben der Priorin von sechs und im Jahre 1464 dann neun Nonnen bewohnt wurde. 1299 und 1487 wurde die Klosteranlage aufgrund von Bränden im großen Umfang zerstört und anschließend wiederaufgebaut.

Zwischen 1536 und 1542 ging das Kloster in den Besitz der Ritterschaft Schleswig-Holsteins über und wurde wie schon kurz erwähnt, in einen Stift für die unverheirateten Töchter des Adels umgewandelt.

Dann im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Klosteranlage weitere Gebäude hinzugefügt. In den 1840er Jahren komponierte der damalige Kantor der Klosterkirche Carl Gottlieb Bellmann die Melodie des Schleswig-Holstein-Liedes “Schleswig-Holstein meerumschlungen”. Sein Grab befindet sich ebenfalls auf dem kleinen Klosterfriedhof, direkt an der Klostermauer.

Das St. Johanniskloster ist ein Kulturdenkmal und steht damit unter Denkmalschutz. Das innere des Klosters kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden und birgt allerlei wunderbares Inventar. Die Außenanlagen hingegen sind für jedermann frei zugänglich und vermitteln dem Besucher sofort einen wunderbaren Ort der Stille, innerer Einkehr und sofortiger Entschleunigung. Das funktioniert sogar bei Menschen, wie dem Autor dieses Beitrags, die mit Religion sonst nicht viel am Hut haben.

Bibelgarten und Skulpturenpark

Gegenüber der Klosterkirche liegt das 1754 erbaute Wohnhaus der Pröbste in dem man heute das Bibelzentrum St. Johanniskloster findet. Hier dreht sich alles um die Entstehungsgeschichte der Bibel. Direkt daneben betritt man dann den Bibelgarten und den von Namhaften Künstlern gestalteten Skulpturenpark. In diesem geht es um “Propheten” und “Tiere der Bibel” aus Anröchter Dolomit.

Im Bibelgarten findet der Besucher allerlei Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden und zahlreiche Symbolpflanzen deren Namen sich aus der christlichen Tradition und Legenden ableiten. Angelegt wurde der Garten, ganz nach mittelalterlichem Vorbild, in Kreuzform. In der Mitte des Wegekreuzes befindet sich ein großer Findling, aus dem eine Quelle sprudelt, dieser erinnert an Mose, der auf Gottes Geheiß mit seinem Stab Wasser für das durstige Volk aus dem Felsen schlug.

An vielen Stellen wird man hier über die vorhandenen QR-Codes stolpern und wer sein Smartphone zur Hand hat, erhält so weitergehende Details in Audioform. Am besten ist es natürlich, wenn man dafür auch einen Kopfhörer zur Hand hat, um andere Besucher nicht zu stören.

Der Besuch der Anlage ist kostenfrei, doch verursacht der Erhalt selbstverständlich auch Kosten, deshalb ist eine Spende zum Ende des Besuchs sehr erwünscht. Eine entsprechende Spendenbox befindet sich im Bibelgarten beim Übergang in den Skulpturenpark. Broschüren für weitere Informationen sind ebenfalls ausgelegt.

Geöffnet sind der Bibelgarten und Skulpturenpark übrigens das ganze Jahr, wobei die schönste Zeit für einen Besuch wohl zwischen Mai und Oktober ist.

Gruppenführungen werden ebenso angeboten anmelden und einen entsprechenden Termin vereinbaren kann man unter der Telefonnummer 04621 25853.

Auch können Kaffeetafeln bis zu 55 Personen im Garten oder auch im Haus organisiert werden.

Kontakt

Emailinfo@bibelzentrum-nordkirche.de
Telefon+49 4621 25853
Websitehttp://www.bibelzentrum-schleswig.de/