Jörg Nadlers 3. Schleswiger Barocktage

Zum dritten Mal veranstaltete der Holmer Fischer Jörg Nadler die Schleswiger Barocktage im Garten seines Hauses in der Süderholmstraße 23. Wegen der Corona-Pandemie stand lange nicht fest ob die Veranstaltung, bei der man viel über das Leben im 18. Jahrhundert in Norddeutschland erfahren kann, überhaupt stattfinden konnte. Doch nach den erfolgten Lockerungen und dem von Jörg Nadler und seiner Frau ersonnenen Hygienekonzepts gaben das Gesundheits- und Ordnungsamt ihre Zustimmung. So musste zum Beispiel im engen Zugang zum Garten Mund-Nase-Schutz getragen werden, auf dem Gelände galt das bekannte Abstandsgebot und er Mund-Nase-Schutz durfte wieder abgelegt werden. Die Anzahl der Besucher, die sich zeitgleich auf dem Veranstaltungsgelände aufhalten durften, war auf 50 begrenzt.

Ein paar Impressionen von den 3. Schleswiger Barocktagen.

Auch bei dieser Ausgabe der Schleswiger Barocktage ging es wieder darum einen Querschnitt des Handwerks im 18. Jahrhundert zu präsentieren und die Darsteller beantworteten wiedermal bereitwillig alle Fragen der neugierigen großen und kleinen Besucher.

Schmied

Wenn man sich dem Veranstaltungsort näherte wurde man schon vom Klang von Hammerschlägen des Schmiedes begrüßt, der dabei war eine Messerklinge zu schmieden. Er lud auch zum Mitmachen ein und so konnte man bei ihm einmal ein Feuer mit Schlageisen und Feuerstein entfachen oder auch eine Musketen-Kugel aus Blei gießen.

Buchbinder

Sag niemals Buchmacher zu einem Buchbinder! 😉 Prompt bin ich in dieses Fettnäpfchen getappt, aber natürlich hat der Buchbinder absolut Recht, denn mit Pferdewetten hat sein Handwerk nun so überhaupt nichts zu tun. So erzählte er Interessantes über die Geschichte des Buches von Papyrus, Pergament, Koperten bis zum bekannten Format “Buch“.

Walfang

Brutal, blutig und gefährlich war der Walfang im 18. Jahrhundert, so berichtet der Walfänger über sein Handwerk. Dabei ging es nicht um das Fleisch der Tiere, sondern hauptsächlich um den Speck der Meeressäuger, Grundlage für viele Produkte des täglichen Bedarfs zu dieser Zeit. Dies geht von Öl für Lampen und Kerzen, aber nicht nur, so wurden mit den Barten des Wals auch sogar Kutschen gefedert. Was die Apollo-Missionen und auch General Motors noch bis in die 1970er Jahre mit dem Walfang verband, wusste er ebenfalls zu berichten.

Landmesser

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts startete die auf dem Schloss Gottorf ansässige Landkommission eine große Landvermessung. Landmesser Piepmeyer berichtet aus dieser Zeit und der damaligen verwendeten Methoden und Hilfsmittel, um diese wichtige Arbeit zu bewältigen. In den 1990er Jahren war ich ein paar Jahre Messgehilfe beim Kieler Katasteramt und so war es für mich schon mal spannend zu sehen, wie diese Arbeit vor 300 Jahren bewältigt wurde.

Kupferschmied

Die Herstellung von einfachsten Haushaltsgeräten in der vorindustriellen Zeit war harte Handarbeit und der Zeitaufwand nicht zu knapp, dass machte die entstehenden Waren auch kostbar und sie wurden deshalb auch über Jahrzehnte benutzt. Im krassen Gegensatz zur heutigen Wegwerfgesellschaft, wo alles möglichst billig produziert wird und so manches Mal nur von 12 bis Mittag hält. Auch waren so scheinbar simple Produkte wie ein Sieb auch noch schön anzusehen und enorm dekorativ.

Braumeister

Bier war im 18. Jahrhundert ein wichtiges Lebensmittel. Trinkwasser, oder was man so nannte machte häufig krank, warum wusste man nicht und man vermutete die “faulen Gerüche” wären dafür verantwortlich. Heute sind wir schlauer und wissen das die damaligen Krankheiten durch Bakterien oder auch Viren ausgelöst wurden. Bier hingegen war durch den Produktionsprozess und anschließenden Alkoholgehalt keimfrei, so gab es dann schon, statt Müsli, Bier für Groß und Klein zum Frühstück, so berichtet der Braumeister, der in dieser Zeit bei Jedermann sehr beliebt war.

Lübecker Stadtsoldat

Auch im 18. Jahrhundert gab es Menschen, die von ihrem eigentlichen Job nicht allein leben konnten und so verdingte sich so manch einer im Nebenerwerb bei den Lübecker Stadtsoldaten. Dort war man wohl nicht sehr wählerisch und so hatten diese Soldaten einen nicht sehr guten Ruf.

Braunschweiger Jäger

Der Adel unterlag vielen Regeln und Konventionen. So wurde dann bei großen Jagdgesellschaften gern mal Tage oder auch wochenlang gefeiert und über die Stränge geschlagen. Davon weiß der Braunschweiger Jäger zu berichten. Der Tierschutz spielte dabei übrigens eine sehr marginale Rolle. Tiere hatten keine Seele meinte man, so what? Allerdings fing man auch in dieser Zeit langsam an über sein Verhältnis zu seinen Mitgeschöpfen nachzudenken und kritisch zu hinterfragen. Das 18. Jahrhundert war auch eine Zeit gewisser Reformen und des Aufbruchs in die Moderne. Aber bitte immer elegant, mit Stil und Schnupftabak!

Seilerei

Auf allen bisherigen Barocktagen eine sehr beliebte Mitmachaktion ist die Seilerei, so war es auch in diesem Jahr. Fischer Jörg Nadler muss nie bangen helfende Hände zu finden, wenn es darum geht mit der historischen Seilerei ein neues Seil herzustellen. Anstrengen zwar aber offensichtlich ein großer Spaß und Erlebnis für große und kleine Seiler-Azubis und so mancher staubt dabei auch ein paar Seilreste ab, aus denen man hervorragende Kerzendochte machen kann. Auch die heimische Vogelwelt sammelt diese Reste gern in Jörgs Garten, um die Naturgarne dann in ihren Nestern zu verbauen.

Fischer sind bei Wind und Wetter in der Natur, heute wie auch damals, und so musste man sich vor dem Unbill der Natur schützen und erfand das Ölzeug aus Leinöl getränktem Segeltuch.

Viele Seeleute starben im 18. Jahrhundert an der Kombination aus Tabak und Skorbut, dass hielt damals allerdings niemand davon ab eine der beliebten Tonpfeifchen zu schmauchen. Das wiederum führte, wie schon im letzten Jahr hier berichtet, zu erheblichen Zahnschäden, denn der gebrannte Ton einer solchen Pfeife ist härter als der Zahnschmelz des Rauchers und hinterlassen mit der Zeit halbkreisförmige Aussparungen im Gebiss. In der Archäologie sind solche Schädel als Pfeifenraucherschädel bekannt.

Mein Resümee

Im letzten Jahr bin ich eher zufällig auf der Veranstaltung gelandet, war aber sofort begeistert von dem was dort geboten wurde. Der diesjährigen Einladung von Jörg wieder über die Schleswiger Barocktage zu berichten bin ich deshalb sehr gern gefolgt und habe die zwei Tage, neben meiner ganzen Fotografiererei und Filmerei, wirklich genossen. Eine explizite Einladung wäre dabei gar nicht nötig gewesen, denn ich hätte die Barocktage auch aus eigenem Antrieb wieder besucht. Ich habe viel Neues und ergänzendes aus der Zeit des 18. Jahrhunderts in Norddeutschland erfahren und ich hatte das Gefühl den Besuchern ging es ebenfalls so, denn trotz gelegentlich heftiger Schauer blieben sie stoisch stehen und sich von den Darstellern von dem Leben in vergangenen Zeiten erzählen.

Ich wünsche mir wünschen, dass uns die Schleswiger Barocktage auch in Zukunft erhalten bleiben und die Besucherzahlen weiterwachsen, denn dies ist eine privat finanzierte Veranstaltung und muss sich irgendwie auch tragen. Im letzten Jahr gab es seitens der Stadt Schleswig einen finanziellen Zuschuss und so ging man plus minus Null aus dem Unterfangen heraus. Ich hoffe, dass wird auch in diesem Jahr so sein, denn eine Kultur-Veranstaltung wie diese, hat es sicher schwerer sich zu finanzieren und etablieren als ein gängiges 0815-Event mit Musik und Fressmeile.

Bildergalerie

Zum Abschluss noch eine bunte Mischung an Fotos von den 3. Schleswiger Barocktagen.