Bund der Steuerzahler beklagt Verschwendung in Schleswig

Bild von domitian auf Pixabay


1,8 Millionen Euro für fünf Tonnen Plastik.

Für die Energiegewinnung im Faulturm ihrer Kläranlage haben sich die Stadtwerke Schleswig Lebensmittelreste anliefern lassen. Diese waren aber mit kleinsten Plastikteilen versetzt, die von den Filtern nicht erfasst werden konnten. So sind vermutlich rund fünf Tonnen Plastik in die Schlei mit ihren Naturschutzgebieten gelangt. Diese Panne hat zu Mehrkosten von 1,8 Millionen Euro geführt.

Die Stadtwerke Schleswig betreiben eine Kläranlage an der Schlei, einem Nebenarm der Ostsee, der in Teilen unter Naturschutz steht. Im Faulturm der Kläranlage wird Biogas zur Energieerzeugung gewonnen. Um die Biogasausbeute zu erhöhen, nahmen die Stadtwerke auch Lebensmittelreste von einem Entsorgungsunternehmen entgegen. Dieses entsorgt abgelaufene und nicht mehr zum Verzehr geeignete Lebensmittel inklusive ihrer Verpackung. Nach dem Walzen und Schreddern werden größere Verpackungsanteile herausgesiebt – aber eben nicht alles! Die feinen Plastikteile gelangten in den Faulturm der Stadtwerke und über den Ablauf anschließend auch in die Schlei, weil die Kläranlage nicht geeignet war, die Kleinstteile herauszufiltern. Erstmalig im März 2016 bemerkten Naturschützer am Ufer der Schlei auffallend viele Plastikschnipsel. Doch erst im März 2018 verdichteten sich die Hinweise und das Klärwerk in Schleswig konnte als Verursacher festgestellt werden. Von da an bemühte man sich um Schadensbegrenzung: Arbeitstrupps versuchten mit Handwerkzeug so viel Plastikmüll wie möglich vom Uferbereich abzusammeln. Doch dabei wurden insgesamt auch 650 Tonnen organischen Materials mit abgesammelt. Außerdem mussten 8.500 Tonnen Klärschlamm verbrannt werden, die ansonsten zur Düngung in der Landwirtschaft vorgesehen waren. Bis heute sind für die Reinigung, die Klärschlammverbrennung und Anwaltskosten rund 1,8 Millionen Euro angefallen. Über die Haftung und eine mögliche Strafbarkeit streiten die Juristen. Offenbar sind die Verträge missverständlich formuliert. So will der Lebensmittelentsorger auf verbleibende Restbestände an Verpackungsmüll hingewiesen haben, während die Stadtwerke jegliche Verschmutzung des angelieferten Materials ausgeschlossen sahen. Auch über den tatsächlichen Anteil der Reststoffe gibt es unterschiedliche Aussagen. Selbst wenn es gelingen sollte, den Lebensmittelentsorger und Haftpflichtversicherungen mit in Anspruch zu nehmen, wird ein hoher Eigenanteil an den Stadtwerken Schleswig hängen bleiben. Ob dieser dann von den Gebühren- oder den Steuerzahlern zu tragen ist, bleibt unerheblich, denn dabei handelt es sich im Zweifelsfall um die gleichen Bürger.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert:

Das Problem des kleinteiligen Plastikmülls ist wirklich nicht neu. Warum da niemand der Verantwortlichen richtig hingesehen hat, bleibt unerklärlich!

Das Schwarzbuchfälle Schleswig-Holstein zum Download