15 Jahre Vereinbarkeit von Familie und Beruf

15 Jahre Vereinbarkeit von Familie und Beruf

15. März 2021 Aus Von Andreas Franke
Bild von congerdesign auf Pixabay

Seit nunmehr 15 Jahren arbeitet die Arbeitsgruppe Arbeitswelt im Lokalen Bündnis für Familie an dem vielschichtigen und facettenreichen Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Ziel der Akteure, kleine und mittelständische Betriebe im Kreisgebiet für Familienfreundlichkeit zu sensibilisieren und zu begeistern, ist dabei immer gleichgeblieben, weil es bei diesem Thema bereits gute Bespiele – aber auch Luft nach oben gibt. Die Arbeitswelt unterliegt rasanten Veränderungsprozessen, der Bedarf an Arbeits- und Fachkräfte bleibt jedoch ungebrochen hoch.

Im Laufe der Jahre wurden von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe etliche Projekte entwickelt und durchgeführt. Die Erstellung eines Kataloges familienfreundlicher Maßnahmen, die Auszeichnung von Betrieben, die Durchführung von Informationsveranstaltungen und Fachtagen zu unterschiedlichen Aspekten von Familienfreundlichkeit, eine Umfrage über Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die Ferienbetreuung Kindernest, die Erstellung der Broschüre Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehören zu den herausragenden Aktivitäten des Bündnisses.

Das aktuelle Projekt beschäftigt sich mit originellen und wirksamen Ideen für die Bindung von Fachkräften und hatte dazu Unternehmen zu einem Wettbewerb aufgerufen: Für das Jahr 2020 wurden die nachstehend genannte vier Betriebe von einer Jury als Familienfreundlicher Betrieb 2020 und ausgezeichnet. Sie alle sind Beispiele dafür, wie es in unterschiedlichen Branchen gelingen kann, Familie und Beruf in Einklang zu bringen – wenn beide Seiten für Lösungen offen sind:

Sport Tiedje GmbH, Schleswig

Stefan Wesemann, IHK, Christian Grau, Sport Tiedje GmbH. Bild: Kay Röver, Sport Tiedje

Am ersten Montag im Monat kommt der Kaffeemann mit einem starken Wachmacher, im Herbst bekommt jeder Mitarbeiter einen Obstkorb vom Arbeitgeber und in der Weihnachtszeit ist das gemeinsame Knusperhausbauen mit Mitarbeitern und ihren Familien ein echtes Highlight. Das sind nur drei von vielen originellen Ideen für die Mitarbeiterbindung. Gesundheit und Wohlfühlen ist wichtig für jeden Einzeln und auch für den Erfolg des Betriebes.

„Sport Tiedje hat besonders viele und kreative Maßnahmen entwickelt“ berichtet Stefan Wesemann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Schleswig. Im Namen des Bündnisses für Familie und der Jury gratulierte er dem Betrieb zu Auszeichnung und zu besonders originellen Ideen für Mitarbeiterbindung und Familienfreundlichkeit. 

Uwe Lilienthal GmbH, Silberstedt

Uwe Lilienthal GmbH: Freut sich über die Auszeichnung, Geschäftsführer René Gudeit. Bild Handwerkskammer Flensburg

Schon weit vor der Corona-Pandemie bietet das Unternehmen für Elektro-, Sicherheits- und Netzwerktechnik, zu dem auch noch ein modernes Küchenstudio gehört, seinen Mitarbeitern die Möglichkeit des Homeoffice an. Kinder können in Notsituationen mit in den Betrieb genommen werden, familiäre Termine in der Arbeitszeit werden selbstverständlich akzeptiert.

Besonders hervorzuheben ist der Umgang mit der Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Elternzeit. In vielen Betrieben gerade für Väter ein Tabu, bietet das Unternehmen hier sogar eine Beratung zur Inanspruchnahme der Elternzeit und ermuntert seine Mitarbeiter ausdrücklich dazu, dies Möglichkeit zu nutzen. Und hier zeigt sich auch das besondere Engagement des Betriebes, indem versucht wird, während der Arbeitszeitunterbrechung Kontakt zu halten – freie Mitarbeit, Urlaubsvertretung sowie Teilnahme an betrieblichen Veranstaltungen und Schulungen.

Und als wäre das nicht alles schon genug, sind immerhin starke 25% der Führungskräfte Frauen, eine davon sogar in Teilzeit.

FjordCare Sozialverwaltungsmanagement – Haus Sonnenschein, Senioren- und Pflegeheim, Dannewerk

Die Senioren- und Pflegeinrichtung Haus Sonnenschein hat früh erkannt, dass das Thema Arbeitszeit für die Mitarbeiter und ihre Familien eine enorm hohe Bedeutung hat. Sie arbeiten rund um die Uhr, an jeden Tag im Jahr. Um hier das familiäre Umfeld seiner Mitarbeiter bestmöglich zu entlasten, wurde ein „Wunschdienstplan“ eingeführt, sodass jeder Mitarbeitende eigene Arbeitszeiten hat, die individuell auf die eigene familiäre, persönliche Situation zugeschnitten sind. Der Mehraufwand, die vielen verschiedenen Arbeitszeitenwünsche zu koordinieren, wird von der Einrichtungsleitung gern in Kauf genommen. Zum einen entspricht es den Werten des Hauses, zum anderen steigert es merklich die Effizienz der Arbeitsleistung. Da versteht es sich schon fast von selbst, dass die Teildienste abgeschafft wurden. Um gerade die Mitarbeiter mit Kindern weiter zu entlasten erhalten diese einen Zuschuss von 150,00 Euro für die Kita-Gebühren.

So entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem jeder jedem hilft und alle füreinander da sind. Sei es das kurzfristige Einspringen in Notsituationen, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder gegenseitige Rücksichtnahme bei der Realisierung der Arbeitszeitwünsche.

Haus Sonnenschein: Hans-Hermann Lausen (Handwerkskammer Flensburg) überreicht Geschäftsführer Thorsten Gröbitz die begehrte Auszeichnung. Bild Handwerkskammer Flensburg

care4as GmbH, Eggebek/Flensburg

„Geht nicht, gibt es für mich nicht. Wenn jemand wirklich arbeiten will, finden wir auch eine Möglichkeit“, so Geschäftsführer Stefan Andresen. Aus diesem Grund sind die Arbeitszeitmodelle auch sehr flexibel gehalten und lassen sich den Lebenssituationen der Mitarbeiter gerade im Hinblick auf die Kinderbetreuung anpassen. Selbst Homeoffice ist in bestimmten Bereichen möglichen.

So finden hier Menschen einen Arbeitsplatz, die aufgrund ihrer familiären Situation und den daraus resultierenden Arbeitszeitmöglichkeiten anderswo keine Aussicht auf eine Einstellung hätten. „Es gab sogar Frauen, die sich im Bewerbungsgespräch dafür entschuldigt haben, dass sie ein Kind haben und deshalb nur zu bestimmten Zeiten arbeiten können. Das hat mich sehr betroffen gemacht“, gibt Stefan Andresen als eine Motivationsquelle dafür an, die Arbeitszeiten möglichst flexibel zu halten und alle Modelle offen zu sein.

Care4as GmbH: Die Plakette wird gleich angebracht. Geschäftsführer Stefan Andresen und Anika Nissen (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz). Bild: Kreis Schleswig-Flensburg

Zum Bündnis Schleswig-Flensburg

Mitglieder der Arbeitsgruppe sind die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schleswig Karin Petersen-Nißen, des Kreises Schleswig Flensburg Petra Bargheer-Nielsen, der Agentur für Arbeit Birte Lehmpfuhl , die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz im SGB II Anika Nissen, der Leiter der Geschäftsstelle Schleswig der IHK Flensburg Stefan Wesemann, der Fachkräfteberater der Handwerkskammer Flensburg Hans-Hermann Lausen sowie die Leiterin der Geschäftsstelle des Bündnisses für Familie in der Region Schleswig-Flensburg und Verantwortliche für das Kindernest Maren Korban.

Zu den Bündnissen:

Die Bündnisse für Familie wurden bundesweit auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahr 2005 auf dem Hintergrund erschreckender Demografiezahlen von Akteuren und Akteurinnen aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Kirche Kommune und Zivilgesellschaft, gegründet. Sie hatten und haben immer noch zum Ziel, die Lebensbedingungen von Familien zu verbessern, über bestehende Angebote hinaus zu denken und neue Angebote zu entwickeln.

Mittlerweile gibt es über 650 solcher Zusammenschlüsse. Sie unterstützen Familien vor Ort mit mittlerweile über 7000 Projekten. Zu den Bündnispartnern gehören ca.  32.000 unterstützende Organisationen, 17.000 Akteurinnen und Akteure und 7400 Partner aus der Wirtschaft. Das Bündnis in der Region Schleswig-Flensburg ist zu erreichen über die Arbeiterwohlfahrt Schleswig, 04621-33171, Bahnhofstr.16.