Strafbefehl an zwei Großmütter for Future

Ohne dass wir etwas Böses getan hätten, erhielten wir einen Strafbefehl Wir haben Widerspruch eingelegt.

Weil der Klimawandel eine unmittelbare und existentielle Bedrohung für das Leben auf unserem Planeten darstellt, haben wir – zwei Großmütter for Future in Schleswig – im Sommer 2020 von uns aus eine kleine Graswurzel-Bewegung gegründet.

Bei unserer Aktion 1 – Fahrrad- und Fußverkehr – am 29.11.2020 ging es, geht es uns nicht nur um sichere Fahrradwege, sondern um deren Ausbau als Anreiz zur notwendigen „Verkehrswende“, zur Reduzierung von CO2. Schleswig landet beim ADFC-Fahrrad-Klima-Test regelmäßig auf den hintersten Plätzen. Wir haben 30 Jahre vergeblicher Bemühungen von Schleswiger BürgerInnen um sichere Fahrradwege dokumentiert und 20 m lang im Ratssaal von uns ausgerollt. Wir haben mit bunter, nachweislich „wasserlöslicher temporärer Sprühkreide“ auf einige Brennpunkte, auf gefährliche und teilweise absurde Vorgaben aufmerksam gemacht. Wir haben dies zeitgleich gegenüber Bürgermeister und Rat schriftlich detailliert begründet, uns also namentlich bekannt und auf unmittelbaren Dialog gehofft. Die Kommune hat, ohne zuvor das Wort an uns zu richten, sofort am nächsten Tag unsere Markierungen – unnötig mit Spezialreiniger – entfernen lassen. Wir hätten sie selbst entfernt. Der Bürgermeister* schrieb uns am 4.12., dass er, auch im Namen der Bürgervorsteherin, „selbstverständlich“ Strafanzeige gegen uns erstattet habe. Mit welch bürokratischer Energie jedes Strichel, jedes einzelne Symbol unserer bunten Aktion gezählt, dokumentiert und sofort an die Justizbehörden weitergegeben wurde! Wir wünschten, unsere Kommune würde sich mit ähnlicher kommunaler Energie um bessere Fahrradwege bemühen! Wir haben tüchtige Stadtwerke, die in der Lage wären, mit einfachen Mitteln kurzfristig zu handeln. Wir wünschten, unsere Kommune würde anstatt wasserlöslicher Sprühkreide die Klimakrise in ihren Fokus nehmen! Wir haben angesichts der Zukunfts-Aufgaben, die unserer Kommune bevorstehen, schriftl. unsere Unterstützung und Zusammenarbeit angeboten.

Gern würden wir für unseren Beitrag zu einer lebbaren Zukunft für die nachfolgenden Generationen ein paar Tage ins Gefängnis gehen. Aber einer Strafe von „50 Tagessätzen“ für jede von uns (+ Nebenkosten/auf Bewährung) widersprechen wir!** Wir hoffen darauf, dass die neue Epoche der Erdgeschichte auch von der Judikative bedacht wird. – Wir wollen uns weiterhin in diesem Zwischenraum bewegen, in dem die Chancen für überlebensnotwendige gesellschaftliche Übereinkünfte wachsen. Einmischung ist die einzige Möglichkeit, an vielen Stellen erstarrte „Gemeinwesen“ wiederzubeleben – von Brüssel über Schleswig bis Trollhättan und zurück.

Wir wollen weniger CO2! Wir wollen mehr Demokratie! VON UNS AUS handeln können wir alle!

Marlies Jensen-Leier und Dorothee Tams


  • * Der Hamburger Bürgermeister ließ sich mit dem Gemälde von Fridays for Future am 19.3. fotografieren!
  • ** Peter Hartz erhielt im VW-Skandal zu 44 Anklagepunkten (teilweise wegen geringer Schwere eingestellt), 2 Jahre auf Bewährung und 360 Tagessätze.

Wir nehmen es jetzt VON UNS AUS in die Hand! Wir fühlen uns verbunden mit Fridays for Future, Scientists for Future u. anderen, die in diesem Sinne weltweit tätig sind.

Kontakt: jensen@leierliest.de / www.leierliest.de, dorothee.tams@yahoo.de