Badmintonsparte startet durch – Investitionen in die Zukunft

Betreuer- und Trainerteam der Badmintonsparte von Schleswig 06 (v.li.): Sven Möller, Lisa Weiß, Christian Page, Svenja Sievers, Ralf Krabbenhöft. Foto: Heike Paustian

Heinz Kelzenberg, Macher des Bundesligisten TV Refrath, und Rainer Diehl, hauptamtlicher Trainer beim BV Wesel Rot-Weiß, zwei Schwergewichte in der Badmintonszene, haben maßgeblichen Anteil an den Veränderungen der Badmintonsparte von Schleswig 06. „Die Workshops mit den beiden waren inspirierend und erfrischend“, blickt Ralf Krabbenhöft, Initiator der Neustrukturierung der Badmintonsparte nun bald zwei Jahre zurück – und noch länger auf die Erfahrungen mit seinem Sohn in dieser Sportart.

Das erste Konzept wurde schnell erstellt, in der Sparte und beim Landesbadmintonverband stieß es auf offene Ohren. Mehr noch, auch der Landessportverband (LSV) sah darin ein Projekt, dass für andere Vereine und Sportarten Modellcharakter hat und stufte es im Rahmen des LSV-Innovationsfonds mit der Höchstförderung ein.

Eine Sichtung an zwei Schleswiger Grundschulen (Schule Nord und St. Jürgen Schule) im Oktober 2019 machte den Anfang. Hieraus entstand eine neue siebenköpfige Trainingsgruppe aus damals acht- bis zehnjährigen Mädchen und Jungen sowie einem Geschwisterkind. Deren erstes Turnier stand für März 2020 an, am Freitag des Turnierwochenendes wurde der erste Lockdown verkündet. Das Projekt musste aus der Halle in die Zwangspause verlegt werden. „Untätig waren wir nicht während der gesamten Lockdowns“, weiß Sven Möller, Mitstreiter im Kernteam, zu berichten und ergänzt, dass man zwar kein Onlinetraining organisiert, dafür aber am Konzept weiter gefeilt habe. Die Turnierpremiere fand dann erfolgreich im Oktober 2020 statt.

Um der angestrebten Entwicklung auch personell nachzukommen, wurde im Laufe des letzten Jahres bereits ein Punkt der langen Liste abgehakt. Die langjährige Spartenleiterin Heike Paustian kann neben Christian Page auf gleich vier neue lizensierte Trainer bauen, die sich gleichermaßen um die Nachwuchsgewinnung und die bereits anwesenden Spartenmitglieder kümmern. In einem denkwürdigen Lehrgang, bestehend aus Onlineseminaren und Präsenzeinheiten einerseits und einer Onlineprüfung sowie Schlagvariantenüberprüfung per Videodreh in der heimischen Halle mit Versand an die Prüfer andererseits, schlossen Lisa Weiß, Svenja Sievers, Sven Möller und Ralf Krabbenhöft schließlich erfolgreich ab. Für letzteren geht es in die Verlängerung, da gleich im Anschluss die Ausbildung zum DBV-Talentscout auf dem Programm stand. Diese Lizenz berechtigt den Verein zur Bewerbung als DBV-Talentnest. Eine Auszeichnung, die der Deutsche Badminton Verband (DBV) an Vereine vergibt, die bestimmte Kriterien erfüllen. Eines dieser Kriterien ist die Beschäftigung mit dem Thema Prävention sexualisierter Gewalt und der Ausarbeitung eines Schutzkonzeptes dazu. Letzteres ist in den Vereinen noch kaum zu finden, DBV-Talentnester in Schleswig-Holstein bisher nur eines.

Für 2020/2021 sprach der LSV dem Projekt erneut die Höchstförderung zu. Auch aus der Badmintonsparte fließen Gelder in das Vorhaben. Ralf Krabbenhöft selbst sowie Peter Paustian, Ehemann der Spartenleiterin und mit ihr zusammen „Eltern“ des Erfolgs der Sparte Mitte/Ende der 2000er, beteiligen sich zu gleichen Teilen an einer FSJ-Stelle (freiwilliges soziales Jahr) im Sport. Durch einen Abiturienten, der im Badmintonsport und im Süden des Landes zuhause ist, konnte sie zudem bereits besetzt werden. Nach den Sommerferien soll der Projekt-Baustein „Bildung und Sport“, eine sparteninterne Weiterentwicklung verschiedener Programme des LSV und der Sportjugend Schleswig-Holstein (sjsh), vertieft werden. „Wir freuen uns, dass neben uns auch die GEWOBA Nord unsere Arbeit und Ideen positiv bewertet und uns als Förderer der Stelle in beträchtlichem Maße unterstützt“, so die beiden einhellig.

Spartenleiterin Heike freut sich unterdessen, dass Badminton im Verein bei den vorhandenen Inzidenzwerten und unter den Bedingungen der Landesverordnung wieder möglich ist, ebenso die OGS-Kurse an den Schulen. „Seit Beginn der Osterferien kommen die Kinder und Jugendlichen wieder in die Hallen – natürlich unter Berücksichtigung eines Hygienekonzepts“, stellt sie klar. Homeschooling und wenig Bewegung sind auch an den Badmintonspielern nicht spurlos vorbeigegangen. Hinzu kommt, dass nur Einzel gespielt werden darf, so dass die Pausen früher eingelegt werden als vor Corona. Bei den Erwachsenen läuft es etwas schleppender an. „Wir hoffen, dass die beschlossenen Öffnungen positiv verlaufen, so dass wir die Hallen nicht wieder schließen müssen“, wirbt Heike Paustian für Umsicht auf allen Ebenen. Eine Reißleine müsse schon deutlich vor Erreichen einer Inzidenz von 100 erfolgen, sonst wären erneut die Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden, pflichtet Ralf Krabbenhöft ihr bei.

Das Badmintonprojekt steht indes auch vor weiteren Schritten. So ist eine weitere Kooperation mit einer Grundschule aus dem Umland in Anbahnung, neben Breiten- und Freizeitbadminton ist eine Intensivierung des Leistungssports in der Vorbereitung. Derzeit sind mit Leonie Page und Josse Krabbenhöft zwei 06er im Landeskader. Die Digitalisierung der Vereinskommunikation, die Öffentlichkeitsarbeit – klassisch wie digital –, die Einbindung der Vereinsmitglieder und deren Ideen oder die Ausbildung des Nachwuchses zu Trainerassistenten verheißen noch viel Arbeit.

„Eine solch große Herausforderung für eine Sparte funktioniert nur, wenn alte Zöpfe abgeschnitten werden und neues Denken zugelassen wird. Partizipation und modernes Management dürfen einem nicht fremd sein“, fasst Krabbenhöft einige Voraussetzungen für ein Gelingen zusammen und fügt an, dass dies auch für viele andere Bereich gelte und blickt über die Vereinsbrille hinaus. „Mit Heikes Ankündigung des schrittweisen Rücktritts als Spartenleiterin musste etwas passieren“, erläutert Krabbenhöft einen Motivationsgrund und ergänzt, „nur den Bestand zu verwalten, dazu hatte ich keine Lust.“ Spartenleiterin Paustian blickt positiv in die Zukunft und fühlt sich zugleich an alte Zeiten erinnert, „ich finde es toll, dass wir uns neu aufstellen und Wege gehen können, die es damals zum Teil noch nicht gab.“

Sven Möller stellt noch die jüngste Planung vor. „In der ersten Woche der Ferien möchten wir interessierten Anfängern (9-15jährigen Kindern und Jugendlichen) eine Mini-Badminton-Academy anbieten. Sport ist in den letzten Monaten einfach zu kurz gekommen“. Wenn die pandemiebedingten Voraussetzungen es erlauben, wird voraussichtlich von Montag bis Freitag am Morgen und Nachmittag für zwei Stunden jeweils eine kleine Trainingsgruppe die ersten Schritte vom Federball zum Badminton erlernen. Details werden folgen. Interessierte können sich schon einmal formlos per Mail oder telefonisch anmelden: Tel. 0177-7470743, E-Mail: ralfkrabbe@aol.com

„Wer Lust an einer Mitarbeit beim Projekt hat, kann sich auch gern melden“, regen Neutrainerinnen Lisa Weiß und Svenja Sievers zum Mitmachen an. Man müsse kein Badmintonspieler sein, die Ideen seien vielfältig und teils durch den Projektcharakter auch zeitlich überschaubar. Man darf gespannt sein, was noch so kommen wird.