Hochzeitsnacht der Kreuzkröten

Kreuzkröte mit dem typischen hellen Rückenstrich, der sie von allen anderen Amphibien unterscheidet.
Foto: Rainer Borcherding

Verspätet durch das lange kalte Frühjahr ist seit dem vergangenem Sonntag (9.5.) in den Sandgruben bei Jagel und Selk und vielleicht auch anderswo in der Region ein besonderes Naturschauspiel zu hören: Die Balz der Kreuzkröten. Bei Anbruch der Nacht werben die Männchen dieser seltenen Krötenart mit weithin hörbaren schnarrenden Rufen um die Gunst der Weibchen. Hierzu Rainer Borcherding, Biologe und Sprecher des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) im Kreis Schleswig-Flensburg: „Die Kreuzkröte ist eines der am stärksten gefährdeten Amphibien Deutschlands. Es ist eine besondere Freude, aber auch große Verantwortung, dass wir sie im Kreisgebiet noch haben. Die Betreiber der Kiesgruben können hier sehr wirksam und kostenlos etwas für den Artenschutz tun.“

Laich und Kaulquappen der Kreuzkröte finden sich nur in ganz flachen und vegetationsarmen Gewässern, wo sie vor Fischen geschützt sind. Foto: Rainer Borcherding

Kreuzkröten entwickeln sich nur in flachen, neu entstandenen Tümpeln auf offenen Sand- oder Lehmböden. Natürlicherweise kam die Art in Flusstälern auf Sandbänken vor. Diese Lebensräume sind durch Flussbegradigungen verschwunden. Auch die Küstendünen sind oft in einem schlechten Zustand und die Art ist auf Amrum und Sylt stark zurückgegangen. Dazu Borcherding: „Auf den Nordseeinseln müssen für Zehntausende von Euro die Laichgewässer der Kreuzkröte wieder hergestellt werden. Hier in unseren Sandgruben wird ohnehin viel gebaggert. Dabei entstehen Laichtümpel für die Art teils kostenlos und in perfekter Form. Allerdings werden Kreuzkröten auch unabsichtlich Opfer des Kiesabbaus, wenn die Gewässer zur falschen Zeit zugeschüttet werden. Wir beraten die Kiesunternehmen gerne direkt vor Ort und freuen uns über Kontaktaufnahmen an den BUND SL-FL.“

Die Laichschnüre der Kreuzkröte sind einreihig, während sie bei der häufigeren Erdkröte doppelreihig sind.
Foto: Rainer Borcherding

Die Kreuzkröte ist bundesweit stark gefährdet, weil sie nur überleben kann, wo Kleingewässer ohne Fische immer wieder neu entstehen. Kiesgruben und Truppenübungsplätze sind gute Ersatzlebensräume für die Art. Durch die Verkleinerung der Bundeswehr und Änderungen im Kiesabbau haben sich die Überlebenschancen der Kreuzkröte aber deutlich verschlechtert. Der BUND möchte durch fachliche Beratung der Kiesunternehmen das Überleben dieser im Kreisgebiet typischen Art sichern. Das momentane Balz- und Laichgeschehen ist ein günstiger Zeitpunkt, um lokale Populationen der Kreuzkröte zu finden und ihre Vermehrung zu sichern.

Kontakt:

BUND Kreisgruppe Schleswig-Flensburg
Dipl.-Biol. Rainer Borcherding
Matzenberg 9
D – 24884 Selk

Mobil: 0173 242 01 04
schleswig@bund-sh.de