Gericht stellt Verfahren gegen 2 Großmütter for Future ein

Dorothee Tams (links) und Marlies Jensen-Leier von der Bewegung “VON UNS AUS” in der Fischersiedlung Holm in Schleswig – Foto: Thomas Eisenkrätzer

Ohne dass wir etwas Böses getan hatten*, stellte der Bürgermeister unserer Stadt Strafanzeige gegen uns. Wir erhielten einen Strafbefehl (50 Tagessätze Nebenkosten/auf Bewährung). Wir legten von uns aus gut begründet Widerspruch ein in der Hoffnung, dass die Judikative die neue Epoche der Erdgeschichte bedenkt.

Das Gericht hat uns jetzt mitgeteilt, dass es „aufgrund unseres Vorbringens“, mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gemäß § 153a Absatz 2 StPO einstellen will.

Ohne eine Schuld einzugestehen, werden wir die 768,90 Euro Reinigungskosten an die Stadt zahlen. Wir wissen, dass es um die Finanzen unserer Stadt nicht gut bestellt ist. Die Kommune hatte, ohne zuvor in der Sache das Wort an uns zu richten, sofort am nächsten Tag unsere Markierungen – unnötig mit Spezialreiniger – entfernen lassen. Wir hätten sie selbst entfernt.

Wir wollen uns weiterhin in diesem Zwischenraum bewegen, in dem die Chancen für überlebensnotwendige gesellschaftliche Übereinkünfte wachsen. Einmischung ist die einzige Möglichkeit, an vielen Stellen erstarrte „Gemeinwesen“ wiederzubeleben – von Brüssel über Berlin und Schleswig bis Trollhättan und zurück.

*Weil der Klimawandel eine unmittelbare und existentielle Bedrohung für das Leben auf unserem Planeten darstellt, haben wir – zwei Großmütter for Future in Schleswig – im Sommer 2020 von uns aus eine kleine Graswurzel-Bewegung gegründet. Bei unserer Aktion 1 – Fahrrad- und Fußverkehr – am 29.11.2020 ging es, geht es uns nicht nur um sichere Fahrradwege, sondern um deren Ausbau als Anreiz zur notwendigen „Verkehrswende“, zur Reduzierung von CO2. Schleswig landet beim ADFC-Fahrrad-Klima-Test regelmäßig auf den hintersten Plätzen. Wir haben 30 Jahre vergeblicher Bemühungen von Schleswiger BürgerInnen um sichere Fahrradwege dokumentiert und 20 m lang im Ratssaal von uns ausgerollt. Wir haben mit bunter, nachweislich „wasserlöslicher temporärer Sprühkreide“ auf einige Brennpunkte, auf gefährliche und teilweise absurde Vorgaben aufmerksam gemacht. Wir haben dies zeitgleich gegenüber Bürgermeister und Rat schriftlich detailliert begründet, uns also namentlich bekannt und auf unmittelbaren Dialog gehofft. Wir konnten u. a. anhand von Videos nachweisen, dass die Sprühkreide kinderleicht zu entfernen ist.

VON UNS AUS

Wir wollen weniger CO2! Wir wollen mehr Demokratie!

Von uns aus handeln können wir alle!

Marlies Jensen-Leier, Dorothee Tams


Wir nehmen es jetzt VON UNS AUS in die Hand! Wir fühlen uns verbunden mit Fridays for Future, Scientists for Future u. anderen, die in diesem Sinne weltweit tätig sind.

Kontakt: jensen@leierliest.de www.leierliest.de dorothee.tams@yahoo.de