2. Klappstuhl Open Air Nübel

2. Klappstuhl Open Air Nübel

22. Juli 2021 Aus Von Andreas Franke
Jonny Möller & Friends. Foto: Andreas Franke

Live-Musik! Endlich wieder und dann auch noch quasi ums Eck. Das ganze unter freiem Himmel und mit frischer, bewegter Luft! Während ich Veranstaltungen mit vielen Menschen in geschlossenen Räumen aus bekannten Gründen immer noch möglichst vermeide, ist so ein kleines schnuckeliges Open Air, bei dem jeder auf seinem Klappstuhl der dargebotenen Musik lauschen kann und seine mitgebrachten kulinarischen Schätze und Getränke in der Sonne genießen kann, doch eine willkommene Abwechslung in immer noch sehr eingeschränkten Kulturbetrieb. Da habe ich doch gern mal vorbeigeschaut, um heute meine Eindrücke an dieser Stelle kundzutun.

Koordiniert und organisiert wurde das 2. Klappstuhl Open Air im kleinen Örtchen Nübel bei Schleswig von Jonny Möller, der hier in unserer Gegend sicherlich kein Unbekannter ist. Veranstaltet wurde das wunderbare Event von allen auftretenden Musikerinnen und Musikern. Gemeinsam! Darauf legt Jonny besonderen Wert.

Die Besucher kamen reichlich. Das Klappstuhl Open Air war ausverkauft.

Im Vorfeld der Veranstaltung, die auf dem kuscheligen Grillplatz in Nübel stattfand, hat Jonny Möller kreative Lösungen gefunden, um mit der noch immer anhaltenden Corona-Lage umzugehen. So musste sich der geneigte Besucher im Vorfeld mit seinen persönlichen Daten online anmelden und verbindlich zusagen. Bezahlt wurde der faire Eintrittspreis von 25,- Euro dann vor Ort am Eingang zum Veranstaltungsgelände, wo man sich dann auch direkt mit der LUCA-App einchecken konnte, um sich anschließend ein lauschiges Plätzchen für den kommenden Abend zu suchen.

Eine kleine finanzielle Unterstützung für das Open Air gab es ebenfalls, zum einen seitens der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg in Höhe von 1000,- € und der VR Bank Nord eG in Höhe von 500,- €. Das ist gut, und wird meiner Meinung nach viel zu selten und zu geringen Umfang gemacht. Gerade auch bei kleineren Kulturveranstaltungen ist das leider eher eine Ausnahme. Kulturförderung bedeutet meist Förderung der Kultur der “Eliten”, also Theater, Museen und dergleichen, was per se nichts Schlechtes ist, allerdings fällt dabei viel zu viel alternative Kultur durch das Raster und geht leer aus. Schade, schade…

Es kamen über 200 zahlende Gäste und das Event war damit ausverkauft. Alle teilnehmenden Musikerinnen und Musiker dürften darüber wohl sehr glücklich gewesen sein, nachdem im letzten Jahr ja der Versuch diese Veranstaltung in Schleswig auf die Beine zu stellen, leider scheiterte und man die Reißleine ziehen musste. Eine solche Veranstaltung beinhaltet halt immer ein nicht kleines finanzielles Risiko.

Unterstützung gab es auch seitens vieler Freunde und Bekannter, die die Jobs an der Kasse, am Parkplatz und den Toiletten übernahmen. Ein befreundeter Grafiker (Mollo) hat das schöne Plakat für die Veranstaltung entworfen, die Firma ELVIS PA hat ebenfalls das Open Air mit ihrer Veranstaltungstechnik unter die Arme gegriffen. Der Bürgermeister von Nübel hat ebenfalls seinen Beitrag geleistet und z.B. dafür gesorgt, dass der benötigte elektrische Strom zur Verfügung stand. Man muss also nur wollen und machen, wie man sieht. Gemeinsam ist man stark. Lösungen suchen, statt “Dat geit nich!”. Löpt…

Ich glaube man sieht anhand der obigen Bilder gut, welche wunderbare Stimmung während des Open Airs in Nübel herrschte. Friedlich und entspannt, die Besucher genossen ganz offensichtlich die gemeinsam verbrachte Zeit. Die Picknick-Körbe waren mit Schlemmerei reich gefüllt und es wurde zum Teil gegrillt. Man machte es sich gemütlich, egal ob nun auf dem mitgebrachten Klappstuhl, einer Decke oder auf dem großen Ledersofa an der großen eingedeckten Tafel, stilecht mit weißem Tischtuch und Porzellan. Man gönnt sich was und das ist gut so. Was auch gut an so einem Event ist, dass jeder seinen Müll selbst wieder mit nach Hause nimmt und das Veranstaltungsgelände in einem sauberen Zustand zurückgelassen wird. Mein Lob an die Besucher!

Programm des Abends

Den musikalischen Start des Abends machte Jonny Möller, zuerst mit einer kleinen Solo-Darbietung, nach der dann auch seine “Spielgefährten” (Jasmin Antic (Gesang), Sylwia Timoti (Piano) und Olaf Senkbeil (Gesang)) für diesen Abend die Bühne betraten. Sie spielten ein souveränes Potpourri von Jazz bis Pop, genau das Richtige zur Einstimmung in diesem Rahmen. Jonny Möller & Spielgefährten wussten mit ihrer großen Professionalität zu glänzen, was vom Publikum dann auch mit entsprechendem Applaus honoriert wurde. Klasse!

Jeder Künstler hatte eine halbe Stunde Stage-Time für seine Darbietung, danach betrat jeweils der nächste im fliegenden Wechsel die Bühnenbretter und startete sein Programm.

Auf Jonny Möller & Spielgefährten folgte dann das Duo Nervling aus Hamburg und löste schon nach den ersten Sekunden ihres Programms extreme gute Laune und Stimmung beim Publikum aus. Das quirlige Bündel purer Energie und positiver Ausstrahlung, dass da Moira Serfling heißt und der nicht minder gut gelaunte und sehr sympathische Tom Baetzel explodierten förmlich auf der Festival-Bühne und es hielt die Besucher nur sehr schwer noch auf ihren Klappstühlen, was aufgrund des Abstandsgebotes so vorgesehen war. Auch hier wieder ein hoher Grad an Professionalität mit einem gehörigen Maß an Spielfreude und Leichtigkeit, die mich als Zuschauer von Anfang bis Ende in ihren Bann zog. Die beiden haben über die letzten Jahre sooo viele wunderbare Songs geschrieben und ihre Texte sind frech und frisch und so manch einer wird sich sicherlich darin widergespiegelt sehen. Vermute ich mal. 😉

Für eingefleischte Nervling-Fans ist es sicherlich ein großer Verlust, dass Moira und Tom ab Oktober erstmal eine längere Pause einlegen werden, aber irgendwann muss die abgegebene Energie eben auch wieder aufgeladen werden und das wollen Nervling nun tun. Irgendwann wird es dann wohl plötzlich irgendwo BÄÄNG! machen und sie werden erneut ihr erstklassiges Feuerwerk für uns alle abbrennen. Gönnen wir ihnen einfach die benötigte Siesta.

Nach dem furiosen Auftritt von Nervling wurden von Frizz Feick, dem Reet Poeten von Pellworm, ruhigere und nachdenklichere Töne angestimmt. Der Künstler brachte etwas heimelige Nordsee-Romantik und Melancholie mit auf die Bühne in Nübel. Mich erinnerte seine Musik an die Achtziger Jahre, was ich in keiner Weise negativ meine, im Gegenteil. Seine Stimme erinnert mich manchmal etwas an Wolf Maahn, einem Helden meiner Jugend. Frizz Feiks aktuelle EP “Frühling auf Pellworm” ist wirklich wunderschön und vielleicht besorgt ihr euch die einfach mal. Unbedingt anhören. Auch hier wieder hohes Niveau der Darbietung.

Nach Frizz Feick startete der Klappstuhl-Roller-Coaster erneut von vorn mit dem zweiten Set von Jonny Möller & Spielgefährten und Nervling, an dessen Ende alle Künstler dann nochmals gemeinsam auf der Bühne standen und den wirklich sehr gelungenen Abend gebührend zu Feiern und abzuschließen.

Vielen Dank, dass ich die Gelegenheit hatte dabei zu sein und hier über ein tolles Open-Air an einer großartigen Location berichten zu dürfen. Alles was sehr friedlich und entspannt, wie ein schöner Abend mit Freunden.

Es sind schwere Zeiten für alle von uns und besonders auch für Kulturschaffende. Unterstützt sie bitte. Musik kann man nämlich immer noch kaufen, überall. Geht auf Konzerte, aber bitte mit entsprechendem Abstand und Köpfchen, damit alle beteiligten gesund bleiben und wir im Herbst nicht erneut vor einer großen Katastrophe stehen.