Unleash Future Boats: Taufe der ZeroOne

Unleash Future Boats: Taufe der ZeroOne

10. August 2021 Aus Von Andreas Franke
Lars und Stefanie Engelhard von Unleash Future Boats, Bernd Buchholz (Wirtschaftsminister Schleswig-Holstein) und Petra Nicolaisen (Bundestagsabgeordnete) vor dem frisch, auf den Namen ZeroOne, getauften und gerade ins Hafenbecken gehobenen Prototypen einer autonomen und emissionsfreien Fähre.

Da sitze ich hier um diesen Beitrag über die Taufe des Prototyps einer emissionsfreien und autonomen Fähre zu verfassen, da kommen aktuelle Meldungen und Prognosen zum Klimawandel herein: “Der IPCC-Bericht: Weltklimarat verschärft Warnungen vor Klimakatastrophe” heißt es auf spektrum.de und tagesschau.de schreibt: “Weltklimarat: Erderwärmung um 1,5 Grad wird bereits 2030 erreicht“, also in nicht mal neun Jahren und zehn Jahre früher als bisher gedacht. Das zeigt, wie dringend Innovationen und ein Neudenken im Bereich der Mobilität notwendig sind und dass das nicht schnell genug gehen kann. Es zeigt wie wichtig Menschen mit Weitsicht, Wissen, Vorstellungskraft, gepaart mit Tatkraft sind, um die Mobilität der Menschen auch in Zukunft sicher zu stellen. Menschen, die ohne Scheuklappen und vorurteilsfrei voran gehen und sich nicht von den vielen “Das geht nicht”- und „Das haben wir immer schon so gemacht“-Propheten ablenken lassen und unbeirrt ihr Ziel verfolgen.

Stefanie (37) und Lars Engelhard (38) kann man mit Sicherheit zu dieser seltenen und dringend benötigten Spezies zählen. Aus Bayern kommend, haben sich die Engelhards vor anderthalb Jahren in Schleswig angesiedelt, um hier maritime Mobilität neu zu denken und autonom fahrende und emissionsfrei fahrende Fähren zu entwickeln. Ja genau, man verlies das so gepriesene, moderne Bayern und die Automobileindustrie, um an unserer schönen Schlei das Thema Schifffahrt neu zu denken und nachhaltig zu machen.

Aber warum kamen die Engelhards ausgerechnet nach Schleswig? Zum einen ist da die Schlei, die als Bundeswasserstraße ohne Handelshafen optimale Testbedingungen bietet, nur hier war es möglich bereits jetzt, in diesem frühen Stadium einen internationalen Bootsschein und eine weltweit gültige Versicherung für den Prototypen ihrer Fähre, als autonomes, emissionsfreies Boot zu bekommen und damit zukünftig auch Testfahrten zu unternehmen.

Dazu kommt, dass man in Schleswig seit einigen Jahren den Ausbau des Glasfasernetzes massiv voran getrieben hat, was sich nun eben auszahlt. Das hier unsere kleine Schleistadt, dass sonst immer so gelobte Hochtechnologieland Bayern schlägt, haut mich dann doch schon leicht vom Hocker. Auch die gute Autobahn-Anbindung war ein Pluspunkt für den Standort Schleswig. Da bleibt zu hoffen, dass weitere zukunftsorientiere Technologie-Unternehmen, den Weg der Engelhards an die Schlei folgen werden. Schon jetzt schafft „UNLEASH FUTURE BOATS“ neue, attraktive und nicht zuletzt zukunftsorientierte Arbeitsplätze in Schleswig und zieht Fachkräfte in die Region.

Auch arbeiten Stefanie und Lars Engelhard von Anfang an mit unseren regionalen Schulen zusammen. Sie möchten den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie man aus einer Idee eine Vision entwickeln und diese dann auch „auf die Straße bringen“, bzw. umsetzen kann, sagte Lars Engelhard auf der Taufe des Prototyps. Auch werden Technologie-Projekte mit den Schulen umgesetzt, man sieht sich auch als Motivator und Trainer, man möchte zeigen, wie man eine sich verändernde Zukunft gestalten kann.

Unternehmen wie „UNLEASH FUTURE BOAT“ haben eindeutig das Potential unsere seit den 8Oer Jahren, mehr oder weniger, dahin dämmernde Region aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken und für eine Zukunft in Wohlstand mit Perspektiven zu sorgen. Vielleicht bleiben junge Menschen dann auch wieder in der Region und verschwinden nicht mehr in die Metropolregionen, um erfolgreich sein Leben zu bestreiten und zu gestalten.

Der Prototyp

Stefanie und Lars Engelhard wollen „Wasser-Taxis“ bauen und die Schifffahrt revolutionieren, deshalb sind sie hier an die Schlei gekommen. Die modular aufgebauten Schiffe werden elektrisch angetrieben werden, sie kombinieren Batterie- und Brennstoffzellentechnologie, um vollständig emissionsfrei unterwegs zu sein. Hier setzt man auf grüne Energie, aus erneuerbaren Quellen, dass sollte klar sein und nur der ordnungshalber erwähnt werden. Belastung der Gewässer durch Schmierstoffe/Diesel werden der Vergangenheit angehören, genauso wie die Belastung der Luft durch Kohlendioxyd/Stickstoff, nebenbei sinkt die Lärmbelastung durch die Schiffe auf ein Minimum.

Für 2023 ist die Verbindung vom Schleswiger Stadthafen zum UNESCO Welterbe Haithabu geplant, auf der dann Passagiere auf den zwölf Meter langen Schleiboote transportiert werden sollen. Die Region Schleswig ist also Pilotstandort und die Nutzung entsprechender Liegeplätze und Anlegerstege ist bereits zugesichert und in trockenen Tüchern. Die kleinen Fähren werden digital vernetzt und dann auf Bedarf angefordert werden können, was der geneigte Fahrgast dann bequem mittels einer APP erledigen kann. Das klingt doch sehr praktisch, oder? Ich wünsche mir so etwas auch für den ÖPNV in der Stadt, aber wer weiß, was die Zukunft bringt uns da noch bringt.

Die Einsatzgebiete für autonome Schiffe sind vielfältig. Sie können, wie hier geplant für den touristischen Personenverkehr eingesetzt werden, aber auch zum Transport von Gütern über den Wasser weg sind sie hervorragend geeignet. Auch sind Haus- und Fischerboote absolut denkbar. Interessant für die Logistik-Branche, die Schleiboote sind niedrigwassertauglich und bei immer öfter zu erwartenden heißen Sommern mit Niedrigwasser ist dies ein immenser Vorteil. Der autonome Betrieb ist für Logistik-Unternehmen ein weiterer, nicht unerheblicher ökonomischer Vorteil. Dies haben auch weitere Regionen und Gemeinden im In- und Ausland bereits wahrgenommen und erkannt und ihr Interesse an den Schleibooten bekundet.

Alles in Allem geschieht hier etwas ganz Großes in unserer kleinen Stadt an der Schlei und ich wünsche den Engelhards und unserer Region, dass dieses Projekt ein riesiger Erfolg wird. Das Potential ist zu 100% gegeben, die Unterstützung aus Politik und Wirtschaft ist ebenfalls sehr groß und so kamen die jeweiligen Vertreter in Scharen zur Taufe der ZeroOne zum Schleswiger Stadthafen, zeigten ihre Begeisterung in ihren Reden und versprachen Unterstützung, wo es nur geht. Und wenn auch die eigentliche Taufe, aufgrund von Schampus-Flaschen aus Panzerglas, die offensichtlich nur Chuck Norris hätte zerschlagen können, nicht ganz wie geplant ablief, denke ich das die Schleiboote ein echter Erfolg und UNLEASH FUTURE BOATS ein großartiger Gewinn für unsere Stadt sind.

Bewegte Bilder von der Taufveranstaltung

  • 00:00 Eröffnung Stefanie und Lars Engelhard
  • 05:00 Rede von Bernd Buchholz (Wirtschaftsminister Schleswig-Holstein)
  • 12:16 Rede von Petra Nicolaisen (Bundestagsabgeordnete)
  • 17:22 Rede von Stefan Dose (Bürgermeister Schleswig)
  • 25:33 Rede von Alexander Gerfer (WÜRTH Elektronik)
  • 31:56 Taufe der ZeroOne durch Petra Nicolaisen

Impressionen

Technische Daten und Fakten zur ZeroOne

Der Prototyp ZeroOne wartet auf seine Taufe.

Maße

  • Länge: 3,20 Meter
  • Breite: 1,80 Meter
  • Höhe über Wasserlinie: 0,89 Meter
  • Tiefgang: 0,42 Meter
  • Verdrängung: 0,3 Tonnen
  • Baujahr: 2021

Antriebstechnologie

  • Leistung: 2x6KW (8PS) elektronisch begrenzt auf 5 PS für Testfahrten.
  • Energie an Bord: 2×13,5 kWH = 27 kWH.
  • Reichweite: Schleswig – Kappeln – Schleimünde (ca. 42 Kilometer).
  • Wasserstoff-Brennstoffzelle wird als Range-Extender ergänzt.

Technik an Bord

  • Kamerasysteme 360°-Kamerasysteme für eine Kartographierung der Strecke als Unterstützung für das autonome Fahren.
  • Weitere Messeinrichtungen: Hochgenaue Positionierung des Technikträgers wie auch von Fremd-Objekten durch Systeme von iMAR Navigation (Marktführer für Systeme zur hochgenauen Positionierung). AIS-Empfänger ab September geplant.
  • Sensorik: Mit verschiedener Sensorik und dem neuartigen Sensor von Unleash Future Boats wird eine Umfelderkennung ermöglicht. Die Fremd-Objekte werden erkannt und klassifiziert. Darauf aufbauend werden Navigationsentscheidungen getroffen, abhängig von den erkannten Objekteigenschaften direkt durch die KI an Bord von ZeroOne.

Rechtliches

  • ZeroOne ist bereit mit einem internationalen Bootsschein und der weltweiten Versicherung als autonomes emissionsfreies Schiff ausgestattet.