Im Flow…

Im Flow…

19. August 2021 Aus Von Andreas Franke
Einer der neuen elektrischen City-Flitzer zum Ausleihen. Foto: Andreas Franke

Mehrere Dinge haben den Autor dieses Beitrags vor ein paar Jahren zum Fußgänger gemacht, nicht ganz freiwillig, dass muss er zugeben. Langjährige gesundheitliche Problem haben dazu geführt, dass er bereits seit 2014 Rentner in voller Erwerbsminderung ist und die finanziellen Möglichkeiten dadurch sehr eingeschränkt sind. Dann gab das eigene Auto den Geist auf und ein neues war eben nicht mehr drin. Seitdem ist er Fußgänger und Radfahrer. Einmal in der Woche fährt er mit dem Auto seines Vaters auf die grüne Wiese, um seinen Wocheneinkauf zu erledigen und bis auf ganz wenige Ausnahmefälle, wird also das Auto nur an einem von sieben Wochentagen bewegt, den Rest der Zeit steht es still und nimmt den anderen Nachbarn einen Stellplatz am Straßenrand weg. Nun steht das Auto meines Vaters nach einem technischen Defekt seit zwei Wochen in der Werkstatt und ich entschloss mich den anstehenden Wocheneinkauf heute mal mit einem der Flow Carsharing-Fahrzeuge zu erledigen. Die App hatte ich mir vor ein paar Wochen bereits aufs Smartphone geladen, mich registriert und den benötigten Führerschein-Check per Post-Ident hatte ich ebenfalls schon durchgeführt. Gestern Abend hatte ich das Fahrzeug, welches in diesem Falle am Rathausmarkt bereit stand, für drei Stunden am heutigen Tag reserviert.

Heute Mittag bin ich dann mit dem Fahrrad zum Rathausmarkt geradelt, um den gebuchten Seat Mii electric abzuholen. Das Fahrzeug wird dann mit der Flow-App über Bluetooth geöffnet und man kann Platz nehmen. Zuerst saß ich kurz ratlos am Lenkrad, hatte ich doch irgendwie nur einen „START“-Knopf erwartet, denn einen Schlüssel hatte ich ja nicht. Einen solchen Knopf gab es allerdings nicht. Ein Blick ins Handschuhfach brachte dann den AHA!-Moment. Der benötigte Fahrzeugschlüssel befindet sich in einem speziellen Halter eben genau dort. Also Schlüssel ins Lenkradschloss, Bremse treten, Schlüssel drehen, die Automatik auf D und schon ging es los. Ganz ehrlich, ich bin ganz begeistert davon wie sich ein solches Auto fährt. Das macht richtig Spaß und so ging es erstmal wieder zurück nach Hause, Einkaufskörbe eingepackt, dann noch meinen Vater in der Innenstadt zum gemeinsamen Wocheneinkauf am Lattenkamp abholen.

Am Supermarkt angekommen, eingeparkt und ausgestiegen. Dann erstmal versucht das Auto via App wieder zu verriegeln. Ging aber nicht, denn ich hatte den Fahrzeugschlüssel aus Gewohnheit in die Hosentasche gesteckt, er muss zum Verriegeln des Autos zurück in den Halter im Handschuhfach, erst dann läßt sich der Wagen wieder per APP verriegeln. Ungewohnt, aber nicht schlimm. Nach dem Einkauf in Supermarkt A ging es auf die andere Straßenseite zu Supermarkt B und zum Tierbedarfshändler meines Vertrauens, dann sollte es zurück Richtung Heimat gehen. Doch der Seat öffnete sich nicht, es kam aus irgendeinem Grund keine Bluetooth-Verbindung zu Stande und ich stand mit meinem Einkauf mit kurzzeitig erhöhtem Puls und einem kleinen Fragezeichen vor dem Seat. Ein Schließen der APP gefolgt von einem Neustart derselben, löste dann augenblicklich das Problem. Rein ins Auto, Vaddi mit seinem Einkauf Zuhause abliefern, dann den eigenen Einkauf im eigenen Zuhause abliefern, mit dem Auto zurück zu Rathausmarkt, dieses dort abgestellt und mit dem Rad wieder nach Hause. Klingt vielleicht umständlich, aber ich fand das gar nicht schlimm. Klar, es bedarf etwas Planung, aber das empfand ich ebenfalls als nicht schlimm. Was ich mir gewünscht hätte wäre ein eigenes Pedelec gewesen, mit dem ich zum Fahrzeugstandort und von dort wieder nach Hause hätte fahren können, gerade weil ich auf dem Rückweg auch den Gallberg mit dem Rad zu erklimmen habe. Ebenso hätte ich mir am Rathausmarkt eine explizite Abstellmöglichkeit fürs Fahrrad gewünscht, wo man dieses auch irgendwo mit dem Fahrradschloss fixieren könnte. Aber hey, vielleicht kommt sowas ja noch irgendwann.

Alles in Allem empfand ich das Car-Sharing als eine sehr einfache Möglichkeit um ein KFZ für ein paar Stunden auszuleihen, wenn man dann mal eines braucht. Der Buchungsvorgang ist wirklich sehr einfach und praktisch, kein Vergleich zu dem recht umständlichen Prozedere bei einem der herkömmlichen Autovermieter. In meiner Lebenswirklichkeit stelle ich immer wieder fest, dass es zumeist ohne eigenes Auto in Schleswig geht. Vieles geht per Pedes, noch mehr mit dem Fahrrad. Ein elektrifiziertes dieser Art würde für 99% der von mir benötigten innerstädtischen Mobilität ausreichen und ein Träumchen. Ich denke das diese Form der Mobilität erheblich mehr gefördert und den Bürgern schmackhaft gemacht werden sollte. Es soll in Deutschland lokale Stromanbieter geben, die tatsächlich entsprechen Zuschüsse zu Pedelecs geben, wenn man von ihnen den grünen Strom bezieht. Nur so ein Gedanke… Aber auch der Staat könnte dort wesentlich mehr tun, als nur die träge und schlafmützige deutsche Autoindustrie zu subventionieren. Und wenn man dann doch mal etwas mit dem Auto machen muss, ist das Car-Sharing eine echte Alternative. Bisher gibt es in Schleswig vier Fahrzeuge (Rathaus, Stadthafen, Stadtfeld und am Bahnhof) der Firma Flow aus Büdelsdorf, ich hoffe das Angebot wird in Schleswig gut angenommen und kann dann vielleicht auf lange Sicht weiter ausgebaut werden. Ohne eigenes Auto spart man auch eine ganze Menge Geld, keine Versicherung, keine Steuern, keine Reparatur- und Wartungskosten, keine Fahrt zur HU alles zwei Jahre. Eine Menge Vorteile, wenn man mal etwas darüber nachdenkt. Wenn dann der ÖPNV und Bahnfahren noch besser funktionieren würde, kaum auszudenken….

Ich ziehe für mich persönlich ein positives Fazit. Das einzige was bei mir hakte war die APP, die ich einmal neu starten musste und die auch sonst manchmal etwas träge reagiert, wenn man z.B. seine Buchungen und Rechnungen aufrufen möchte, aber das wird bestimmt noch verbessert.

Die Preisgestaltung ist in meinen Augen fair. 4,99€ werden für die Buchung eines der Kleinwagen fällig, pro Stunde zahlt man weitere 3,00€ und für jeden gefahrenen Kilometer werden 0,25€ fällig.

Der Fahrspaß, selbst einem so kleinen Stromer, ist übrigen sehr groß. Ich musste so einige Male grinsen als ich auf das Gas-, äääh, Strompedal trat. 😉