NORDEN-Festival – Erstes Wochenende

NORDEN-Festival – Erstes Wochenende

31. August 2021 0 Von Andreas Franke
Grauer Himmel über Schleswig am ersten Festival-Wochenende. Foto: Andreas Franke

Zugegeben, dass Wetter am ersten Norden-Festival-Wochenende war eher etwas herbstlich, mit überwiegend grauem Himmel, manchmal ein bisschen pustig, mit dem einen oder anderen nassen Tropfen von Oben. Der Eisbär auf seiner auf der Schlei dümpelnden Scholle, passte also ganz gut zur vorherrschenden Wetterlage des vergangenen Wochenendes. Macht aber nichts, der Norden-Besucher, ignoriert das und steckt sowas einfach weg. Wir sind nicht aus Zucker, so offensichtlich das Motto.

Es war gewohnt reichhaltig und auf hohem Niveau, das Angebot an die Festival-Besucher. Kulinarisches aller Art, ob nun vom Tier, vegetarisch oder vegan, ob herzhaft oder eher was für die Zuckerschnuten, für jeden Geschmack ist hier was zu finden. Nachhaltig serviert auf Porzellan, dass nach Gebrauch an diversen Sammelstellen abgestellt, dort von den fleißigen Bienchen des Festivals eingesammelt, gespült, getrocknet und danach wieder an die einzelnen Stände verteilt wird. So geht das…

Ich bin auf dem Gottorfer Landmarkt vor ein paar Jahren schon mal auf die Kieler “Resteritter” gestoßen und habe mich gefreut, dass sie ebenfalls auf dem Norden-Festival präsent sind und was die Lebensmittelretter anbieten, solltet ihr unbedingt mal probieren. Ihre Chutneys und Fruchtaufstriche sind einfach Weltklasse!

In der Klangwerkstatt dürfen die großen und kleinen Festivalbesucher ihr eigenes Musikinstrument bauen. Das geschieht unter fachkundiger Anleitung von Hartmut Reuter, mach sehr viel Spaß und ist gar nicht so schwer, wie man zuerst vermuten würde.

Gleich am Anfang des Geländes befinden sich zwei Werkstätten in denen regelmäßig viele weitere Workshops stattfinden. Für diejenigen unter euch die kreativ sind, ist dort der absolut richtige Anlaufpunkt.

Die Arche Wader zeigt euch auf dem Norden-Festival eine Vielzahl nordischer Nutztiere und man konnte alles darüber erfahren wie die Arche deren Existenz schützt. Ich muss sagen, ich habe mich ein bisschen in die riesigen flauschigen Ohren des mitgebrachten Esels verliebt, der genüsslich die Königswiesen abgraste. Herzallerliebst. <3

Zauberhaft! Mr. Tricknick begeisterte kleine und große Festivalbesucher vor seinem Zelt der Wunder auf kurzweilige Weise mit seinen Zaubertricks und bezieht das Publikum immer mit ein. Das sorgte für viele fröhliche und nicht minder staunende Gesichter im Publikum. Man hat Spaß, wie man im folgenden Video sehen kann.

Kühle Temperaturen, grauer Himmel, Wind. Nicht gerade das Top-Wetter für denjenigen der sich mal in der Trendsportart SUP (Stand-Up-Paddling) ausprobieren möchte. Und doch gab es ein paar hart gesottene Besucher, die sich von den Wetterbedingungen nicht abhielten, ließen und sich am Luisenbad unter Anleitung auf die Schlei wagten. Irgendwann muss ich das auch mal testen.

Grüner Pavillon

Grüner Pavillon: Ein Kleid aus 3000 Kippen.

Im Grünen Pavillon gibt es was zum Nachdenken und Workshops, die ganz praktisch aufzeigen was jeder einzelne von uns für die globale Nachhaltigkeit tun kann. Hier war gerade das grauenvolle Problem mit den Zigaretten-Kippen das Thema. Etwas das auch in Schleswig eine echte Pest ist. Setzt euch mal in unserer Stadt auf irgendeine Bank und schaut nach unten, was unachtsame Mitbürger dort in Mengen hinterlassen. Das sieht nicht nur furchtbar aus, sondern ist eine echte Katastrophe für die Umwelt. Jemand der mal an irgendeiner der regelmäßig in Schleswig stattfindenden Schietsammelaktionen teilgenommen hat, kennt das ganz genau und verflucht diese Mitmenschen, denen die Umwelt und auch das Gemeinwohl absolut schnuppe sind. Dabei gibt es wunderbar kleine Döschen, in denen man seine Kippen verstauen kann, um sie später an einem geeigneten Ort umweltgerecht entsorgen zu können. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich mal auf die das nächste Coastal Clean Up, am Samstag, den 18. September 2021 hinweisen. Wer sich weiteren großen und kleinen Schleswiger Bürgern anschließen möchte, denen ihre Umwelt nicht egal ist, ist herzlich dazu eingeladen für ein sauberes Schleswig aktiv zu werden. Sehen wir uns?

Luisa Neubauers Besuch im Kulturzelt stieß auf reges Interesse.

Am Sonntag war Luisa Neubauer (Fridays For Future) zu Besuch auf den Königswiesen und sehr vielen Besuchern war es augenscheinlich wichtig, was sie im Kulturzelt zu erzählen hatte, denn dies konnte die große Zahl der Interessierten gar nicht fassen und so lauschten viele einfach vor dem Zelt ihren Ausführungen zum Thema Klimakrise. Dabei erntete Frau Neubauer immer wieder großen Beifall seitens der Anwesenden, was ein wenig Hoffnung aufkeimen lässt, dass langsam, aber sicher immer mehr Einsicht in die Köpfe der Menschen einsickert, was die ganze Klima-Problematik angeht. Es geht hier um Physik, diese existiert im gesamten bekannten Universum, sie ist ein unumstößliches Gesetz, verhandelt nicht und sie schert sich schon gar nicht darum, ob man für eine notwendige Wende entsprechende politische Mehrheiten bekommt.

Gartenbühne

Auf der Gartenbühne, die sich diesmal technisch deutlich besser ausgestattet präsentierte, gab es am Sonntag-Nachmittag den ersten Norden Slam (Poetry Slam), der ebenfalls sehr gut angenommen und besucht wurde und der am Ende von Anneke Schwarck gewonnen wurde. Die Beiträge der beiden Finalistinnen Carina Hansen und Anneke könnt ihr euch in den folgenden Videos noch einmal selbst anhören. Viel Spaß…

Norden Slam – Finalbeitrag von Carina Hansen
Norden Slam – Final- und Siegerbeitrag von Anneke Schwarck

Musik, Musik, Musik

Musikalisch lass ich mich auf dem Norden-Festival immer gern überraschen und erfreue mich jedes Mal über sehr talenteierten Nachwuchs, auf den man hier regelmäßig stößt. Rock- & Pop-Musik jenseits des üblichen Allerleis, mit dem uns unsere regionalen Radio-Sender berieseln, oder gar quälen. NORDPOP war an diesem Wochenende angesagt, was ich klasse finde, betreibe ich doch auf Spotify eine NORDROCK-Playliste mit Rock und Pop-Musik aus dem Norden. Und doch muss ich hier etwas Kritik loswerden, NORDPOP scheint zu bedeuten, dass die Künstler größtenteils aus Hamburg und seinem Speckgürtel kommen. Wenn man das Programm mal überfliegt, kann man eigentlich zu keinem anderen Ergebnis kommen. Ich würde mich über einen etwas höheren Anteil regionaler Künstler durchaus freuen, damit diese sichtbarer werden.

Aber zurück zum eigentlichen Festival, das gebotene Musikprogramm war, wie schon in den letzten Jahren, stilistisch sehr vielfältig. Poppig, funky, rockig, mal ruhig, mal laut und Langeweile kommt da zu keinen Moment auf. Miterleben durfte ich bei meinem Festival-Aufenthalt am letzten Wochenende: Lùisa, Lisa Maly, Bernd Begemann, Roast Apple, Helgen und Klebe. Alle für sich hervorragende Künstler*innen und Bands. Meine absoluten Highlights des Wochenendes waren für meinen, eher der rockigen, Musikgeschmack die Boondocks aus Estland, die mich mit ihren Songs sehr an die Rock-Musik der späten 60er und frühen 70er Jahre erinnerten und damit bei mir für ein wohliges und warmes Gefühl sorgten und dann, der absolute Knaller zum Abschluss des Samstagabends, “Deine Cousine”! Selten erlebt man solch eine energetische Bühnen-Performance und Spielfreude, wie sie die Band auf der Schleibühne an diesem Abend abgefeuerte. Grandios! Vollgas mit wenigen Atempausen, deutsche Texte aus dem Leben gegriffen, ohne rosa Brille, die sehr authentisch rüberkamen, genau wie die Band selbst. Keine Längen im Set und furios dargeboten.

Besser kann man so einen Norden-Festival-Besuch wirklich nicht abschließen und ich freue mich schon auf das, was mich am kommenden, zweiten Festival-Wochenende erwarten wird.

Videos

Impressionen

Es gibt noch Tagestickets!

Übrigens an der Festival-Kasse gibt es jeden Tag noch Tagestickets, falls ihr bisher keines abbekommen habt. Wie der Name schon sagt, gelten diese für den ganzen jeweiligen Tag! Aber denkt dran, die Tickets sind begrenzt und wer zuerst kommt, malt zuerst.