Gisela Floto: Spuren und Transformationen

Gisela Floto: Spuren und Transformationen

8. Oktober 2021 0 Von Andreas Franke
Gisela Floto. Foto: Andreas Franke

Eine Ausstellung im Stadtmuseum Schleswig

Transformationen

Die weltweit gereiste Fotografin Gisela Floto zeigt derzeit ihre sehr kreativen und eindrucksvollen „Transformationen“ im Stadtmuseum Schleswig. Die großformatigen Bilder entstanden während der Pandemie 2020 durch physikalische Manipulation von analogen Dias. Die in Schleswig-Holstein aufgewachsene Hamburgerin saß in dieser Zeit in ihrer Wohnung im 14. Stock mit einem gebrochenen Fuß fest und so begann sie Dias mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu bearbeiten, genannt seien hier zum Beispiel Wasser, Wärme, etwas zum Färben und Hühnergöttern zum Pressen. Ein langer Prozess, immer mit ungewissem Ausgang, aber sehr eindrucksvollen Ergebnissen, wie ich meine. Das originale Dia und sein ursprüngliches Motiv ist dabei oft kaum wiederzuerkennen, es wird gewissermaßen analog verschlüsselt und eine solche Transformation generiert fantastische Strukturen und lädt zum Verweilen, Entdecken und Versinken ein. Die transformierten Dias wurden nach Abschluss der Manipulationen gescannt und von diesen Scans wiederum wurden daraufhin die jetzt gezeigten Vergrößerungen auf hochwertigem Fotokarton gedruckt. Die Diamotive stammen dabei aus den Portrait- und Modeserien der freischaffenden Fotografin. In der Ausstellung werden die Bilder ungerahmt, frei hängend und luftig präsentiert. Der Verzicht auf Rahmung soll den Charakter des „Work in Progress“ unterstreichen und auch der finanzielle Aufwand für passende große, breite Rahmen mit passender Beleuchtung wären einfach zu hoch, sagt Gisela Floto im Pressegespräch.

Spuren

Weniger experimentell, aber nicht weniger eindrucksvoll und künstlerisch wertvoll ist der Fotozyklus „Spuren“. Er zeigt einen vollkommen anderen Aspekt der Arbeit der charismatischen Fotografin, die unter anderem auch für „Schliemanns Erben“ in der ganzen Welt unterwegs war, um diese TV-Serie fotografisch zu begleiten. Durch geschickte Auswahl des Bildausschnittes von Luftbildern aus Schleswig-Holstein, verwandelt sie hier Landschaften in eigene Strukturen und oft ist es so, dass erst bei näherem Hinschauen landschaftliche Merkmale wie Felder, Bäume oder Ackerspuren entdeckt. „Spuren“ entwickelte sich über die Zeit zu einem fortlaufenden und umfangreichen Projekt, dass in Form einer Schenkung seinen Platz im Stadtmuseum Schleswig gefunden hat. Die Fotografien sind noch mit analoger Fotoausrüstung entstanden und wurden aus dem Flugzeug geschossen, mit vollem Köpereinsatz jeglicher aufkommenden Übelkeit zum Trotz. Die Angst sich in einem Flugzeug aus dem Fenster zu lehnen um zu Fotografieren will zuerst auch mal überwunden werden, kein Vergleich zu bequemen Drohnenfotografie in der heutigen Zeit, bei der man komfortabel mit beiden Beinen auf der Erde bleiben kann. Die Bilder zeigen ein enormes Maß an grafischem Verständnis und ein besonderes Gespür für den magischen Moment. Eine limitierte Auflage von Mappen mit den Fotografien Gisela Flotos ist ebenfalls herausgegeben worden und wird von Lyrik der leider bereits verstorbenen Autorin Anna Inge Radziwill begleitet.

Die Ausstellung „Spuren und Transformationen“ zeigt also das was einmal war und das was noch kommen wird. Beides für sich genommen schon allein ein Grund für einen Besuch im Stadtmuseum. Mich macht das neugierig und inspirierend war das Treffen mit einer so kreativen Künstlerin allemal. Einen weiteren Besuch der Ausstellung habe ich mir bereits vorgenommen. Diesmal allerdings nicht um zu berichten, sondern einfach mal für mich, um tiefer in die Werke einzutauchen.

Falls ihr ebenfalls Lust verspürt „Spuren und Transformationen“ zu besuchen, dann könnt ihr das zu den üblichen Öffnungszeiten (dienstags bis sonntags, von 10:00 bis 17:00 Uhr) tun. Bei eurem Besuch gelten die bekannten 3G-Regeln, damit entfallen die Erfassung von Kontaktdaten und die Maskenpflicht. Trotzdem wird weiter empfohlen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und den Mindestabstand einzuhalten.

Falls ihr euch von der Künstlerin einmal persönlich durch die Ausstellung führen lassen möchtet, dann solltet ihr euch den 24.10.2021 (12:15 bis 13:00 Uhr) und den 28.11.2021 (12:15 bis 13:00 Uhr) im Kalender notieren, dann wird das möglich sein.

Spuren und Transformationen

Eine Ausstellung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Schleswig

Ab 21.September 2021 im Stadtmuseum Schleswig, Friedrichstraße 9–11, 24837 Schleswig

Gisela Floto im Pressegespräch im Stadtmuseum Schleswig.

Gisela Floto – Vita

Künstlerin und Fotografin

  • Aufgewachsen auf dem Augustenhof in Schleswig-Holstein.
  • Studium der Fotografie in Berlin.
  • Auslandsaufenthalte in London und Paris, Fotojournalistin.
  • ab 1989 Redaktionelle Fotografie »Brigitte« Reportagen u.a. in Afghanistan, Pakistan, Indien, Fidji, Tonga ZEIT-Magazin: Gartenthemen »Der Feinschmecker«, Land und Leute in Italien, Frankreich, Ungarn, Dänemark, Österreich “Art“ Museum Altenburg.
  • »Country« Modestrecken: Inszenierte Natürlichkeit »Architektur & Wohnen« Kunst, Land und Leute, Tschechien.
  • ab 1991 Konzeptionelle Fotografie Gartenthemen in Spanien, Österreich und Deutschland »Retterin der Goldaffen«, Reportage in Vietnam, 20 Jahre Kinderhilfswerk für die »DritteWelt«, ein Kalender, fotografiert in Mali »Mein Leben als Minenräumerin«, mit Vera Bohle auf dem Balkan.

BERUFLICHES ENGAGEMENT

  • 1993-1995 Ausstellungsleitung Forum für Fotografie, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg
  • 1995-2005 Dozentin für Bildjournalismus an der Universität Hamburg, Institut für Journalistik, Mitglied im Bund Freischaffender Foto-Designer (BFF) und im Bund Bildender Künstler (BBK)

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

  • 1993–1995 »Spuren in Schleswig-
  • Holstein«, Olympus Galerie Hamburg; Hamburger Kammerspiele
  • 1995–2005 »HarborToSee, with Elise on the River Elbe«, Chicago; Osaka; Hamburg
  • 1995 »Frauen, die mir begegnen«, Gruner + Jahr Foyer; Olympus Galerie Hamburg
  • 1998–2002 »Luftschlösser«, in 17 Museen in Schleswig-Holstein, Brandenburg, und Mecklenburg-Vorpommern
  • 2001 »Bäume für die Hafencity«, Kunsthaus Hamburg, 2001 »Gefüllte Schatten«, Musikhochschule Hamburg,
  • 2002 »Strandbad Dangast«, Dresdner Bank Hamburg und Schleswig-Holstein; Radziwill Museum Dangast
  • 2002 »Trouvaillen / Lichtlust«, Literaturhaus in Kiel
  • 2003 »Kirchenlust«, im Kloster Kielund in der Kirche St. Johannis Hamburg-Harvestehude
  • 2006 »Chicago-Hamburg«, Foyer Abaton Kino, Hamburg
  • 2006 »Making of: Rosi«, Architektursommer, Hamburg
  • 2007 »Kopf an Kopf in Willitown«, Elbfestival, Hamburg-Wilhelmsburg
  • 2008 »Talmud-Tora-Schule zwischen Gestern und Morgen«, Café Leonar, Hamburg
  • 2009 »Aufbruch«,BBK Schleswig-Holstein, Kiel
  • 2010 »Frau für Frau«,Goethe-Institut Hamburg
  • 2011 „HafenCityHafen«,
  • Galerie Hotel Leiber, Dersau
  • 2013 „Kunstschrott“, Kletkamp
  • 2013-2014 »Talmud-Tora-Schule, zwischen Gestern und Heute«, Jüdisches Museum Rendsburg
  • 2015-2016 Talmud-Tora-Schule heute, Staatsbibliothek Hamburg
  • 2016 Streiflichter, Impressioen a la Feininger, Gut Pronstorf

FILMOGRAFIE

  • 2003–2004 »Zwischen Gestern und Morgen«, Jubiläumsfilm Talmud-Tora-Schule, Hamburg
  • 2004–2006 »HafenCity Hafen Hamburg«,Goethe-Institute Chicago und Osaka
  • 2006 »Sprung über die Elbe –Eine Reise in den Süden« Eröffnungsveranstaltung zur IBA 2013: Architektursymposium Hamburg
  • 2006 »Rosi, das hast du gut gemacht«, Aufführung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg und im KörberForum
  • 2007 »Kopf an Kopf in Willitown«, IBA Kunst & Kultursommer in Hamburg- Wilhelmsburg
  • 2006-2011 Kurzfilme der Siegerprojekte des»Nationalen Förderpreises« der ERGO Stiftung »Jugend&Zukunft«, Hamburg
  • 2019 “von Hamburg nach Majdanek “- Ganz normale Menschen.
  • (.Bertini Preis / 10 Klasse Lise-Meitner Gymnasium).
  • 21 Filme auf : gisela floto on Vimeo.

VERÖFFENTLICHUNGEN

  • Spuren in Schleswig-Holstein (Vorwort: Thomas Gädeke, Schloß Gottorf), Eigenedition, 1992 Hamburg
  • Historische Gärten in Schleswig-Holstein, Adrian von Buttlar, Margitta Meyer (Hg.),
  • Gisela Floto (Fotos), Verlag Boyens & Co, 1996 Heide
  • Landgang, Kulturlandschaft Ost-Friesland,Verlag Rautenberg, 1996 Leer, Zeit zu leben, fotografische Beiträge Gisela Floto, WWF Dokumentationen,1997 München
  • Luftschlösser – Landschaftsträume in Schleswig-Holstein, Gisela Floto (Vorwort: A. v. Buttlar, H. v. Amelunxen), Nieswand Verlag, 1997 Kiel
  • 7.Mai 2010 »Ein Tag in Deutschland« Lütjenburg früh am Morgen, freelens bei dpunkt Verlag3.11.2013 Ausstellungskatalog Talmud-Tora-Schule Hamburg, im Jüdischen Museum Rendsburg, Grußworte Dr. hc. Charlotte Knobloch, Sonja Lahnstein-Kandel

ANKÄUFE

  • Museum für angewandte Kunst, München
  • Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg
  • Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloß Gottorf
  • Sarkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel
  • Sparkassen-Stiftung Stormarn

PRIVATSAMMLUNGEN

  • Hamburg-Eppendorf; Neu Wendorf, Mecklenburg; Gelsenkirchen;
  • Eckhof bei Kiel, Schleswig-Holstein;
  • Mannheim; Eutin; Düsseldorf

Homepage und Quelle der obigen Vita

https://flotofoto.de