Möglicher Versorgungsengpass bei Schwangerschaftsabbrüchen im Kreisgebiet

Möglicher Versorgungsengpass bei Schwangerschaftsabbrüchen im Kreisgebiet

10. Dezember 2021 Aus Von Andreas Franke

Bild von fernando zhiminaicela auf Pixabay

Am 25.11.2021 überreichte der Kreispräsident des Kreises Schleswig–Flensburg, Ulrich Brüggemeier, der Kreis-Gleichstellungsbeauftragten, Corinna Philipsen, circa 100 unterschriebene Karten zum Thema Schwangerschaftsabbrüche in der Stadt Flensburg.

Viele Frauen und auch Männer setzten mit ihren Unterschriften ein Zeichen, dass sie aufgrund der Fusion des katholischen Malteser Krankenhauses St. Franziskus mit der evangelischen DIAKO am neuen Klink-Standort am Peelwatt die Sorge vor Versorgungsengpässen bei Schwangerschaftsabbrüchen tragen und dieser entgegenwirken wollen.

Das Franziskus-Hospital lehnt Schwangerschaftsabbrüche aus religiösen Gründen ab, daher sollen diese im neuen Krankenhaus – außer in medizinischen Notfällen – nicht durchgeführt werden. Bis Ende 2022 werden noch klinische Schwangerschaftsabbrüche in der DIAKO durchgeführt. Wie sich die Versorgungslage nach der Fusion der beiden Träger gestaltet, ist noch unklar. Bislang gibt es noch keine konkrete Regelung zur Gewährleistung einer weiteren klinischen Versorgung von Schwangerschaftsabbrüchen.

Die Kartenaktion wird von unterschiedlichen Frauengruppen, bzw. Institutionen, unterstützt, die die Karten im Kreis Schleswig-Flensburg und in der Stadt Flensburg verteilten. Diese wurden u.a. an den Kreistag und an die Ratsversammlung der Stadt Flensburg, Stadtpräsident Hannes Fuhrig, adressiert.

„Auch die Gleichstellungsbeauftragten aus dem Kreisgebiet beteiligen sich an dieser Aktion, da die Sorge vor Versorgungsengpassen nicht nur die Stadt Flensburg betrifft, sondern darüber hinaus sich auch auf die benachbarten Kreise auswirkt“, so Corinna Philipsen. Einer Frau darf nicht die Möglichkeit genommen werden, vor Ort einen klinischen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Lange Fahrtwege sind aus meiner Sicht – auch zur Vor- und Nachsorge – keineswegs tragbar und hinnehmbar.“

„Im März 2021 hat der Kreistag mehrheitlich beschlossen, dass das Versorgungsangebot für einen sicheren Schwangerschaftsabbruch im Kreis Schleswig-Flensburg sichergestellt werden muss. Es erfolgte eine Resolution an das Land Schleswig-Holstein“, so Ulrich Brüggemeier.

Anfang Mai 2021 kam die Antwort vom Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Heiner Garg. Demnach sei es der Landesregierung ein wichtiges Anliegen, ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicherzustellen, um Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht zu garantieren. Dies sei laut Landesregierung im Kreis Schleswig-Flensburg gegeben.

„Aus meiner Sicht ist das nicht gegeben. Darum beteiligen wir Gleichstellungsbeauftragten im Kreisgebiet uns auch an dieser Aktion und wollen so ein Zeichen setzen“, betont Philipsen.

Eine Arbeitsgruppe in Flensburg, die bei der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange angesiedelt ist, führt derzeit daher eine Bestandsaufnahme durch und erörtert Fragen nach quantitativen und qualitativen Bedarfen. Auch im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es eine Arbeitsgruppe die sich mit dem Thema Schwangerschaftsabbrüche befasst. Zielsetzung ist die Sicherstellung der Versorgung von ambulanten, stationären und klinischen Schwangerschaftsabbrüchen mit dem Anspruch, den Bedarfen aller Frauen gerecht zu werden.  Bekanntermaßen wurde von der Flensburger Oberbürgermeisterin zwar angeregt, in Flensburg ein medizinisches Versorgungszentrum einzurichten, in dem Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden könnten, aber diese Idee steht noch ganz am Anfang. „Ob und wann sie umgesetzt werden kann, ist derzeit nicht absehbar“, so Corinna Philipsen.