1.000 junge Menschen in fünf Jahren in der Jugendberufsagentur Schleswig

1.000 junge Menschen in fünf Jahren in der Jugendberufsagentur Schleswig

21. Dezember 2021 Aus Von Andreas Franke

Am 7. November 2016 öffnete die erste Anlaufstelle der Jugendberufsagenturen im Kreis Schleswig-Flensburg ihre Pforten und war damit die erste in einem Kreis in ganz Schleswig-Holstein, sogar eine der ersten bundesweit. Seit mittlerweile fünf Jahren arbeitet hier ein Team aus Beratungskräften der Arbeitsagentur Flensburg, des Jobcenters Schleswig-Flensburg, der Jugendhilfe des Kreises Schleswig-Flensburg und Coachingkräfte des Berufsbildungszentrums zusammen unter einem Dach. Bei Bedarf unterstützen zusätzlich Kolleg*innen aus der Eingliederungshilfe des Kreises Schleswig-Flensburg und Reha-Berater*innen der Arbeitsagentur. Kurz: ein multiprofessionelles Beratungsangebot für alle Belange, die Jugendliche auf dem Weg von der Schule in die Arbeit bewegen.

Das Konzept geht auf. Junge Menschen aus dem gesamten Kreisgebiet zwischen 14 und 25 Jahren können alle Fragen, die geklärt werden müssen, um nach der Schule einen passenden Anschluss zu finden, in der Jugendberufsagentur klären. Ein „nicht zuständig“ gibt es nicht. Das Team lebt eine ganz besondere Haltung. Wer die Jugendberufsagentur betritt, der merkt sofort, dass hier ein anderer Wind weht. Eine freundliche Begrüßung, keine langen, unüberschaubaren Gänge. Wenn nicht gerade eine Pandemie im Weg steht, bietet das Team auch gerne einen Kaffee an. Hier kommt man an und „wird orientiert“. Meistens ist dem Jugendlichen gar nicht wirklich klar, was als Erstes geregelt werden muss oder wer seine zuständigen Beratungskräfte sein könnten. Da ist es optimal, dass alle Kolleg*innen aus den anderen Institutionen nur eine Tür weiter sitzen und in kurzen Absprachen oder sogenannten gemeinsamen Fallkonferenzen alles direkt geregelt werden kann. Die jungen Menschen ersparen sich einige unnötige Wege und kommen dadurch schneller an ihr Ziel. Das kann ein schulischer Abschluss, eine Ausbildung oder erst einmal die Absicherung der Wohnsituation sein. Die Themen sind da vielfältig und reichen von familiären Herausforderungen über psychische Probleme bis hin zu einfachen Abstimmungsbedarfen zwischen verschiedenen Ämtern. Das Team der Jugendberufsagentur ist stark vernetzt mit weiteren externen Partnern wie z. B. der Schuldnerberatung, dem Integrationsfachdienst, der Suchtberatung, der Familienhilfe, dem Migrationsdienst oder der Kreishandwerkerschaft. Auch das kommt den Jugendlichen zu Gute. „Besonders freut uns, dass nicht nur Schulen und Ämter an uns weiterleiten. Durch unseren besonderen Standort an dem großen Berufsbildungszentrum im Kreis kommen auch viele junge Menschen auf direktem Wege zu uns. Das Beratungsangebot spricht sich rum, wir werden gerne aufgesucht“, so Sabine Martens, Fachassistenz in der Jugendberufsagentur Schleswig.

Alle Häuser stellen Unterstützungsangebote an verschiedenen Orten im Raum Schleswig und trotzdem gibt es Aufgaben, die in den einzelnen Institutionen manchmal nicht aufgelöst werden können oder rechtlich nicht geregelt werden dürfen. In der Jugendberufsagentur steht der junge Mensch im Mittelpunkt und durch die direkte Erreichbarkeit der Kolleg*innen und die gemeinsame Datenschutzabsicherung ist hier manchmal mehr möglich. Eine Jugendberufsagentur wird als Unterstützung erkannt und die Hilfe wahrgenommen. Dass der Standort sich als optimal erwiesen hat, bestätigt auch die Zahl der Jugendlichen, die das Angebot bisher genutzt haben. Noch bevor die fünf Jahre vollendet waren, konnte Ende Oktober der 1000. Neukunde in Schleswig begrüßt werden. Georg (16) wurde nicht nur mit einem abgestimmten Beratungsangebot, sondern auch mit einem üppig gefüllten, natürlich jugendgerechten Präsentkorb überrascht.

Auch hier zeigt sich die besondere Rolle der JBA als Netzwerkstandort für dieses Thema in der Region. Georg ist im Sommer aus einem anderen Bundesland in unseren Kreis gezogen und wurde von einem Kollegen der Berufsschule und aus dem Reha-Team der Arbeitsagentur beraten. Beide Fachkräfte sind in diesem äußerst seltenen Fall nicht offizieller Bestandteil des Teams, aber nutzen gerne den Mehrwert, alle anderen Partner bei Bedarf direkt greifbar vor Ort zu haben. Das, was der Lösung dient, ist gut. Nicht mehr und nicht weniger. „Grenzen“ ist ein Wort, das in eine Jugendberufsagentur nicht reinpasst. Georgs Anliegen konnte somit bereits mit einem gemeinsamen Gespräch geklärt werden.

Das sind jetzt 1.000 Jugendliche in der JBA, die in der Regel mehr als einmal kommen, da sie oft größere Pakete mitbringen. Jeder Fall hätte ohne die Jugendberufsagentur und die Zusammenarbeit der Institutionen ganz anders verlaufen können. Im Idealfall konnten nicht nur Zeit, Geld und Nerven gespart werden, sondern wurden vor allem Lebensläufe auf eine gute Bahn gelenkt. Der Mensch und sein Lebensentwurf sind hier keine Fallnummer, sondern ein gemeinsamer Auftrag, für den es eine Lösung braucht.

Im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es bereits seit 2019 eine zweite Niederlassung in Kappeln. Und demnächst kann man sich über weiteren Zuwachs freuen. In Flensburg steht bereits ein drittes Team in den Startlöchern. Noch steht das genaue Eröffnungsdatum nicht fest, aber in den nächsten Monaten wird es eine weitere Premiere geben: Gemeinsam mit der Stadt Flensburg geht es dann nicht nur um die Überwindung der Grenzen der einzelnen Institutionen, sondern auch der regionalen Grenzen. Die Zeichen stehen gut dafür, dass die Jugendberufsagentur-Familie bald noch mehr Jugendliche erreichen und ihnen ihre Hilfe anbieten kann.

Informationen zu den Jugendberufsagenturen und ihre Kontaktdaten finden sich unter www.jba-sl-fl.de.