Ein Plan-B für den Schleswiger Bahnhof

Ein Plan-B für den Schleswiger Bahnhof

15. Januar 2022 Aus Von Andreas Franke

Die Stadt Schleswig und Wirtschaft prüfen gemeinsam die Realisation einer alternativen Reisestation

Stellten einen gemeinsamen Plan-B für die derzeitige Situation am Schleswiger Bahnhof vor: (v.l.n.r.) Stefan Wesemann (IHK Flensburg, Geschäftsstelle Schleswig), Max Triphaus (Ostseefjord Schlei GmbH), Helge Schütze (Stadtmarketing Schleswig GmbH) und Bürgermeister Stephan Dose.

Jeder der in Schleswig mit der Bahn anreist, oder von dort aus in die weite Welt reist kennt die dortige, unerträgliche Situation am Schleswiger Bahnhof. Über die Ursachen, die zur jetzigen, stagnierenden Lage geführt haben wurde schon an vielen Stellen diskutiert und gestritten. Diverse Gerichtsverfahren und deren Urteile zeigen auf, wo das „Problem“ liegt. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Leider ist diese Situation aber ziemlich verfahren und so haben Stadt und Wirtschaft ihre Köpfe zusammengesteckt um einen spannenden, alternativen Plan-B für die Reisenden und Besucher unserer Schleistadt zu entwickeln, denn weitere 9 Jahre Stagnation kann und will man nicht mehr akzeptieren. Vermutlich wird dies auch die große Mehrheit der Schleswiger so sehen, denn das Bild, dass das Tor zu unserer Stadt den ankommenden Gästen bietet, ist mehr als peinlich und unangenehm, also alles andere als ein „Herzlich Willkommen in Schleswig“.

„Er gehört uns zwar nicht und wir haben auch keine formellen Verpflichtungen den Kunden der Deutschen Bahn gegenüber, aber das Erscheinungsbild des Schleswiger Bahnhofs ist uns unangenehm“, sagt Bürgermeister Stephan Dose. „Wir prüfen daher gemeinsam mit der örtlichen Wirtschaft, ein alternatives Reisezentrum zu errichten. Es sind erste Überlegungen ohne festen Zeitplan.“

Auf der gegenüberliegenden Seite des denkmalgeschützten Bahnhofs, auf der anderen Seite der Gleisanlagen, plant die Stadt gemeinsam mit der Wirtschaft die Errichtung einer privatwirtschaftlichen Reisestation. Dort sollen ein DB-Reisezentrum, ein kleines Bistro, ein Raum für die Bahnhofsmission und eine moderne barrierefreie WC-Anlage Platz finden. Das Gelände gehört der Deutschen Bahn. Gespräche zum Grundstückerwerb werden derzeit geführt.

„Das Grundstück eignet sich ausgezeichnet für die Realisierung des Vorhabens“, ergänzt Stadtmanager Helge Schütze. Unmittelbar angrenzend sind bereits Parkflächen und Fahrradabstellflächen errichtet worden. „Aus touristischer Sicht benötigen wir nicht nur eine Aufwertung des Bahnhofs als Ankunfts- und Abgangsort für unsere Gäste, sondern auch ein erweitertes Angebot“, erklärt Max Triphaus von der Ostseefjord Schlei GmbH. „Carsharing, eine E-Bike-Verleihstation und einen Informationspunkt für unsere Gäste kann ich mir dort sehr gut vorstellen.“ Optisch können sich die Initiatoren eine Anlehnung an den neuen bayrischen Bahnhof in Zorneding vorstellen, der auch das Thema Wikingerstadt und Welterbe aufnehmen könnte. „Die nächsten Schritte sind Grundstückverhandlungen mit der Deutschen Bahn, die Erarbeitung einer Kostenschätzung und die Entwicklung eines Konstruktes für die Trägerschaft und die Finanzierung“, erläutert Stefan Wesemann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Schleswig.

Die Bahnbrache direkt gegenüber des Schleswiger Bahnhofsgebäude, direkt am Gleis 3 eignet sich hervorragend für die Umsetzung des Plan-B. Die Bahn ist auch bereits gesprächsbereit. Bild/Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende

Erste Wahl ist für die lokalen Akteure die Umsetzung des eigentlichen Konzeptes des Bahnhofeigentümers. Es wird ausdrücklich begrüßt. „Wenn es nicht bald zu einer Einigung zwischen dem Eigentümer und dem Kreis, der Stadt und der Deutschen Bahn kommt, sehen wir uns in der Verantwortung, alternative Konzepte zu prüfen“, formuliert der Bürgermeister. Alles andere, da sind sich die Initiatoren der alternativen Reisestation einig, wäre unverantwortlich und den Schleswiger Bürgern und Unternehmen nicht vermittelbar. „Wir haben schon zu viel Zeit verloren, ohne dass sich etwas substanziell gebessert hätte“, macht er klar.

Der Schleswiger Bahnhof wurde 2013 von der DB an einen Privatinvestor im Rahmen einer Versteigerung für 180.000 Euro mit verschiedenen Auflagen verkauft. Dazu zählen unter anderem ein Warteraum für Reisende, ein Raum für die Bahnhofsmission, funktionierende, saubere WC Anlagen und ein ansprechender Raum für das Reisezentrum. Ein zufriedenstellendes Angebot konnte bisher nicht geschaffen werden. Rechtliche Auseinandersetzungen dauern an.

Beispielhaft für Schleswig könnte das Bahnhofsgebäude von Zorneding (Bayern) sein