Salamitaktik gefährdet Betriebe

Salamitaktik gefährdet Betriebe

22. Januar 2022 Aus Von Andreas Franke

Erneut wurden nun Maßnahmen getroffen, die viele unserer Mitgliedsbetriebe hart treffen. Nach Lockdowns folgte zunächst die Maßnahme, dass nur noch geimpften oder genesenen Personen ein Zutritt gewährt werden durfte. Nun folgte 2G+, wer doppelt geimpft ist, muss zusätzlich einen Test von einem Testzentrum vorlegen. Gaststätten müssen um 23 Uhr schließen. An privaten Zusammenkünften in Restaurants dürfen nur noch 10 Personen teilnehmen.

Kundgebung am 31.01.2022 am Rathausmarkt Eckernförde

Mit jeder dieser Maßnahmen gingen und gehen die Umsätze vieler Betriebe zurück. Wir haben den Eindruck, dass die Verantwortlichen durch eine derartige Salamitaktik verhindern wollen, dass erneut Milliardenzahlungen aus Rettungsfonds die Steuerzahler belasten, wenn man einen erneuten Lockdown bzw. eine vollständige Schließung der gastronomischen Betriebe beschließt.

Die gastronomischen Betriebe dürfen nicht als eine Art Erziehungsmaßnahme zur Umsetzung der Boosterkampagne der Bundesregierung herhalten. Wir haben alles getan, um der Pandemie entgegenzuwirken. Nun sind beliebte Landgasthöfe, kleine Hotels und gemütliche Kneipen in ihrer Existenz bedroht.

Im schleswig-holsteinischen Hotel- und Gaststättengewerbe sind 80.000 Menschen beschäftigt.

Der DEHOGA Eckernförder Bucht vertritt Mitglieder vom Kieler Randgebiet bis nach Nordschwansen und ist flächenmäßig einer der größten DEHOGA-Ortsverbände des Landes.

Die Ausrichtung unserer Mitgliedsbetriebe ist unterschiedlich und reicht vom Imbissbetrieb mit Bierausschank über schmucke Cafes bis hin zu Clubs, Kneipen, Restaurants, Landgasthöfen und Berherbergungsbetrieben wie Pensionen und Hotels.

Folgend schildern wir Ihnen einige unserer Probleme:

  • Hygienekonzepte wurden durch uns erarbeitet und Geld für Umbaumaßnahmen zur Umsetzung des Infektionsschutzes etc. investiert.
  • Das Kontrollieren von Impfnachweisen und Antigen-Schnelltests bindet Zeit und Personal. Jetzt soll zusätzlich kontrolliert werden, ob und wann ein Gast geboostert wurde, wie lange seine zweite Impfung her ist oder ob und wann ein Gast getestet wurde. Dann folgt ein Abgleich mit dem Personalausweis und eine Kontrolle, ob der Ausweis noch gültig ist. Die Überprüfung nach möglicherweise gefälschten Impfausweisen oder Testnachweisen fordert man von unseren Mitgliedsbetrieben NOCH nicht.
  • An Geburtstagen, Hochzeiten, selbst zu Beerdigungscafes dürfen nicht mehr als 10 Gästeteilnehmen. Dies hat zur Folge, dass nahezu alle Veranstaltungen abgesagt werden. Niemand möchte zu einem bereits geplanten Geburtstag Teilnehmer ausladen. Hochzeitsfeiern – für viele Menschen das wichtigste Ereignis in ihrem Leben – platzen. Selbst das traditionelle Zusammenkommen in einem Landgasthof nach der Verabschiedung eines geliebten Menschen bleibt aus.
  • Gaststätten mit einem Hauptgeschäft in den Abend- und Nachtstunden sowie Betriebe mit starken Umsatzeinbußen können Teile ihres Personals nicht weiter beschäftigen. Die Mitarbeiter müssen sich umorientieren und suchen sich neue Jobs im Einzelhandel, in Baummärkten etc. Diese Mitarbeiter stehen unseren Betrieben bei Änderungen der Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung.
  • Wichtige Werbemaßnahmen können aufgrund unsicherer Zukunft in Bezug auf anhaltende bzw. weitere Maßnahmen nicht kalkuliert und geplant werden.
  • Steigende Energie- und Lebensmittelkosten zwingen unsere Mitglieder zum Anheben ihrer Preise für Speisen und Getränke.
  • Immer neue Vorschriften kosten Zeit und Geld.
  • Die Überbrückungshilfe IV. greift erst ab einem Umsatzrückgang von 30%. (Welcher Betrieb kann sich auf Dauer Umsatzeinbußen von 20-25% und mehr leisten?)

Es ist zu befürchten, dass gastronomische Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen schließen und ihre Mitarbeiter entlassen müssen.


Frank Dreves
Vorsitzender
Deutscher Hotel- und Gaststättenverband
Eckernförder Bucht