Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung/Beschneidung

Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung/Beschneidung

15. Februar 2022 Aus Von Andreas Franke
(v.l.n.r.) Corinna Philipsen (Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Schleswig-Flensburg), Dagmar Kistner (Koordinatorin für Integration, Teilhabe und Zusammenhalt für den Kreis Schleswig-Flensburg), Christiane Schunter (Frauenzentrum Schleswig e.V.), Renate Sticke (TABU – Anlaufstelle Gesundheit, Frauen, Familie mit Schwerpunkt FGM/C – Diakonisches Werk Altholstein GmbH) und Jule Borowski (Buchhandlung Liesegang Schleswig)

Eine der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen an Frauen und Mädchen ist mit Sicherheit die weibliche Genitalverstümmelung und Beschneidung, darauf wird während des Internationalen Tages GEGEN weibliche Genitalverstümmellung/Beschneidung jährlich am 6. Februar weltweit hingewiesen und informiert. In diesem Rahmen haben der Kreis Schleswig-Flensburg, das Frauenzentrum Schleswig und TABU aus Kiel in Zusammenarbeit mit der Bücherei Liesegang einen Büchertisch zusammengestellt, der Literatur präsentiert, die sich in vielfältiger Form mit diesem Thema beschäftigt und informiert. Liebevoll zusammengestellt durch die Buchhändlerin Jule Borowski.

Das Thema weibliche Genitalverstümmelung/Beschneidung ist immer noch hochgradig tabuisiert und daher ist eine Auseinandersetzung damit umso wichtiger. Die Genitalbeschneidung ist auch nicht auf gewisse Regionen oder Länder beschränkt, denn durch Zuwanderung gibt es sie auch wieder in Deutschland und auch im Kreis Schleswig-Flensburg. Wieder in Deutschland? Ja genau, denn Genitalbeschneidung gab es bis in die 1940er Jahre auch in Deutschland/Europa und ist/war also nicht ausschließlich in Ländern oder Kulturkreisen verbreitet, die einem im ersten Moment in den Kopf kommen mögen. In Deutschland wurden Frauen zum Beispiel beschnitten, um sie vom Lesbentum abzuhalten oder auch bei psychischen Erkrankungen. In England gab es ebenfalls bis in die 40er Jahre noch Richtlinien zur Durchführung weiblichen Beschneidung.

Folgen

Beschnittene Frauen leiden ein Leben lang an den Folgen und sind im Alltag massiv eingeschränkt. Sie benötigen weichere Stühle, sie bekommen Probleme beim Ablauf von Menstruationsblut, in der Schwangerschaft oder bei ärztlichen Untersuchungen. Das Leiden dieser Frauen berührt sicherlich jeden von uns, der sich auch nur kurz mit dem Thema auseinander gesetzt hat.

200 Millionen

Weibliche Genitalverstümmelungen/Beschneidungen sind in vielen Ländern verboten und strafbar und doch werden auf unserem Planeten um 200 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Für Schleswig-Holstein nimmt man an, dass ca. 2000 Mädchen und Frauen betroffen sind. Die Beschneidung selbst wird dabei zumeist unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt und auch die dabei verwendeten Gegenstände (Rasierklingen oder Glasscherben) erscheinen einem wie aus einem Horrorkabinett. Auch geschieht eine Beschneidung ohne jegliche Betäubung, lebenslange Traumata sind die Folge und 25% der betroffenen Mädchen und Frauen versterben dabei entweder unmittelbar oder an den langfristigen Folgen von FGM/C, so eine Schätzung der WHO.

Ferienbeschneidung

Beschneidungen finden oft gar nicht in unserem Land statt, sondern als so genannte „Ferienbeschneidungen“ im Urlaub oder in den Ferien im (auch europäischen) Ausland statt, was auch die Notwendigkeit der Sensibilisierung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern deutlich macht, damit diese drohende Gefahr rechtzeitig erkennen und gefährdete Mädchen und Frauen entsprechend schützen können.

Beratende Hilfe

Beratende Hilfe bekommen betroffene/gefährdete Mädchen und Frauen in Schleswig-Holstein zum Beispiel bei TABU, der Anlaufstelle Gesundheit-Frauen-Familie mit Schwerpunkt FGM/C (Tel: 0431 26093119, Homepage: TABU – Diakonie Altholstein).

Kommende Veranstaltungen

In den kommen Wochen und Monaten verschiedene Veranstaltungen wie Workshops, Fachtagungen und ähnliches stattfinden, um die Bürger weiter zu sensibilisieren.

08.03.2022Kreis Schleswig-Flensburg:
Auftaktveranstaltung des Arbeitskreises FGM/C
20.06.2022Frauenzentrum Schleswig e.V:
Einführungsworkshop zu FGM/C beim Fachtag „Gesundheit von Frauen mit Flucht- und/oder Migrationsgeschichte“
12.09.2022TABU:
FGM/C-Fachtag im Kreis Schleswig-Flensburg
Corinna Philipsen, Dagmar Kistner, Christiane Schunter, Renate Sticke und Jule Borowski informieren in der Buchhandlung Liesegang in Schleswig zum Thema FGM/C.