Buchneuerscheinung: „Die vergessenen Jahre“

Buchneuerscheinung: „Die vergessenen Jahre“

4. März 2022 Aus Von Andreas Franke

Vom Nationalsozialisten zum CDU-Ministerpräsidenten. Dr. Helmut Lemke (1907–1990)

Vom Nationalsozialisten zum CDU-Ministerpräsidenten

Der in Kiel geborene Dr. Helmut Lemke ist als Politiker vielen noch immer ein Begriff, war er doch nicht nur Kultusminister und auch Innenminister, sondern vor allem auch von 1963 bis 1971 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. Ab 1971 bis 1983 findet man ihn zusätzlich als sechsten Landtagspräsidenten nach dem Krieg im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Lemke war nach seinem Jurastudium und seiner Promotion von 1932 bis 1933 Gerichtsassessor bei den Staatsanwaltschaften in Kiel und Altona. Schon vor der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat er 1932 in die NSDAP ein. Als verlässliches Parteimitglied und als studierter Jurist wurde Lemke ab 1933 nacheinander Bürgermeister der Städte Eckernförde und Schleswig. Nach dem Krieg durfte der gewesene Oberleutnant zur See, der bei seiner „Entnazifizierung“ als „Mitläufer“ in die Kategorie IV eingestuft worden war, alsbald wieder als Rechtsanwalt arbeiten. Lemke trat in dieser Zeit der CDU bei. Nachdem er alsbald zunächst Kultusminister und direkt danach Innenminister des Landes Schleswig-Holstein geworden war, wählte man den bewährten Politiker schließlich in das Amt des Ministerpräsidenten.

Während Lemkes politischer Werdegang sowie seine Tätigkeiten und Entscheidungen ab der Nachkriegszeit gut dokumentiert und ausgewertet sind und man ihm bescheinigte, sich zu einem „guten Demokraten“ gewandelt zu haben, liegt noch immer ein großer Mantel des Schweigens und auch des Vergessens über den Jahren 1933 bis 1945. Obwohl im Zusammenhang mit seiner Amtsführung in diesen Jahren Oppositionelle verfolgt und eingesperrt und Menschen ausgegrenzt und unter Druck gesetzt wurden und obwohl es zahlreiche belastende Quellennachweise über Dr. Lemkes Beheimatung in der nationalsozialistischen Weltanschauung gab und gibt, konnte er nach dem Krieg bis in die höchsten Ämter der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung gelangen und hier die Politik über Jahre maßgeblich mitgestalten.

Das Buch berichtet mit Hilfe von überwiegend unveröffentlichtem Archivmaterial akribisch über Dr. Helmut Lemkes zwölf „Vergessene Jahre“, über die bisher kaum oder nur sehr unzureichend berichtet wurde.

Gleichzeitig ermöglicht dieses Werk einen tiefen Einblick in die Nachkriegsgeschichte der noch jungen Bundesrepublik im Allgemeinen und des Landes Schleswig-Holstein im Besonderen. In einem erschreckend hohem Ausmaß wird hier ein weiteres Mal deutlich, dass die nationalsozialistische Elite zu einem nicht unerheblichen Teil nach dem Krieg wieder Fuß fassen konnte und die Politik der Anfangsjahre des nördlichsten Bundeslandes maßgeblich mitgeprägt hat.


Autor: Jens Nielsen

Erscheinungsdatum: 02.03.2022

Verlag: BoD

Ausstattung: Hardcover, 202 Seiten, zahlreiche zeitgenössische Abbildungen

Veröffentlichung von zum Teil noch unveröffentlichtem Quellenmaterial!

ISBN-13: 9783754360606

Preis: 22,95 €

Mit einem Vorwort von Schleswigs Bürgermeister Stephan Dose