Weltfrauentag – immer noch aktuell

Weltfrauentag – immer noch aktuell

7. März 2022 Aus Von Andreas Franke

Weltweit begehen Frauen den 8.März, um gegen Diskriminierung auf-  und für Gleichberechtigung einzustehen. Themen wie Gewalt gegen Frauen, Ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit und geringe Repräsentanz von Frauen in Führungsetagen sind weiterhin brandaktuell. Der Frauentag hat nichts an Bedeutung eingebüßt und soll auch im Jahr 2022 in Schleswig und dem Kreis Schleswig-Flensburg seinen angemessenen Platz finden.

Es werden wieder wie gewohnt hunderte von Rosen in der Gemeinde Kropp und in Schleswig verteilt. Dieses Mal werden die Gleichstellungsbeauftragten Rosen in Bürogebäuden, Altenheimen und Kitas für die Frauen zum Verteilen abgeben, da sie sich an die geltenden Bestimmungen halten müssen. Diese Aktion wird unterstützt von Blume Bleifuß aus Schleswig.

Equal Pay Day am 7.März 2022

Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 19 Prozent weniger als Männer, das hat das Statistische Bundesamt berechnet. Als Gender Pay Gap oder geschlechtsspezifische Lohnlücke wird die prozentuale Differenz zwischen Männer- und Frauenlohn im Verhältnis zum Männerlohn bezeichnet. 

Um auf diesen Tag aufmerksam zu machen tragen viele Frauen an diesem Tag rote Taschen. Gleichstellungsbeauftragte werden an diesem Tag dafür sorgen das entsprechende Fahnen im Kreisgebiet an diesem Tag gehisst werden und rote Stofftaschen verschenken.

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl nur sehr langsam verringert. Damit bleiben wir Schlusslicht im internationalen Vergleich. Nur in Estland und der Tschechischen Republik ist die Lücke noch größer.

Ein Teil dieser Lohnlücke lässt sich auf sogenannte strukturelle Unterschiede zurückführen. Viele Frauen erlernen Berufe, die schlechter bezahlt sind, arbeiten seltener in Führungspositionen und häufiger in Teilzeit oder in Minijobs. Doch selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet und sich Frauen und Männer anschaut, die in der gleichen Branche und gleichen Position gleich viel arbeiten, dann ergibt sich in Deutschland immer noch eine nicht zu erklärende Lohnlücke von sechs Prozent.

In Sachen Lohngerechtigkeit scheint alles mit allem zusammenzuhängen, aber diese Ursachenvielfalt darf nicht entmutigen. Im Wesentlichen sind es die folgenden Punkte, die sich in vielen Studien als besonders prägend herausstellen:

  1. Frauen fehlen in bestimmten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter: Obwohl Frauen heute – statistisch gesehen – besser ausgebildet sind als Männer, ergreifen Frauen noch immer verstärkt frauendominierte Berufe in den Bereichen Erziehung und Pflege und fehlen weiterhin in den MINT-Berufen. Daneben steigen Frauen nicht so häufig auf der Karriereleiter wie Männer.
  2. Frauen unterbrechen oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt durch z.B. Elternzeit oder Pflege von Angehörigen häufiger und länger als Männer. Diese „Fehlzeiten“ und darauffolgende Einstiegshemmnisse haben lang nachwirkende Einbußen bei Lohn- und Einkommensentwicklung zur Folge, was sich bis in die Rentenphase niederschlägt.
  3. Frauentypische Berufe sind weiterhin unterbewertet. Aufwertung dieser Berufe heißt nicht nur, die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Werts von frauendominierten Berufen zu erhöhen, sondern auch die Bezahlung dieser Berufe zu stärken.
  4. Durch fehlende Gehaltstransparenz ist eine Ungleichbehandlung der Bezahlung aufgrund des Geschlechts nicht sichtbar. Transparenz in den Gehaltsstrukturen und ein gesetzlich geregeltes Auskunftsrecht können die Lohnlücke nachhaltig beeinflussen. Ein Vorhaben, das durch das am 6. Juli 2017 in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz gestützt wird.
  5. Gängige Rollenstereotype beeinflussen nach wie vor die Berufswahl von Frauen. So wählen junge Frauen aus einem sehr engen Segment der über 300 Ausbildungsberufe aus. Die Berufswahl im sozialen wie im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich muss frei von Rollenstereotypen oder Barrieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere erfolgen. Nur dann ist eine Durchmischung geschlechtertypischer Berufe möglich.

Ziel ist es daher, mit dem Equal Pay Day die Debatte über die Gründe der Lohnunterschiede in die Öffentlichkeit zu tragen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, zu sensibilisieren und Entscheidende zu mobilisieren, damit sich die Lohnlücke schließt.

Folgende Veranstaltungen im Kreisgebiet zum Weltfrauentag 2022:

06.03.2022, 11:15 Uhr – Gottesdienst „Ohne Frauen läuft nichts“ in der Auferstehungskirche Schleswig, Husumer Str. 10

08.03.2022 – Rosenverteilung der Gleichstellungsbeauftragten in Schleswig und Kropp in Bürogebäuden, Altenheime und Kitas

09.03.2022 – Bündnis Frau präsentiert im Capitol Filmpalast Schleswig den Film “Wunderschön“ zum Internationalen Frauentag 2022 – siehe Anlage

10.03.2022, 18-20 Uhr – Frauenzentrum Schleswig e.V. – Internationaler Frauenstammtisch – online „Frauen-Leben in Afghanistan“ Vortrag und Gesprächsrunde mit Shamsia Azarmehr – siehe Anlage

10.03.2022, 18:00 Uhr – Einladung Flensburger Frauenforum und die DGB Frauen SH-Nordwest zu einer Gesprächsrunde und Diskussion mit der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Anna-Katharina Mangold (zu §§ 218 und 219) –  „WAS SIE SCHON IMMER ÜBER SCHWANGERSCHAFTSABBRÜCHE (NICHT) WISSEN WOLLTEN“ Gemeindehaus St. Johannis Flensburg, Johanniskirchhof 21