Moderne und Idyll: Impressionismus in Deutschland

Moderne und Idyll: Impressionismus in Deutschland

22. April 2022 0 Von Andreas Franke

Mai bis 30. Oktober im Kreuzstall / Museumsinsel Schloss Gottorf

Blick in die Ausstellung im Kreuzstall © Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen

Wenn am 5. Mai die beiden Ausstellungen im Kreuzstall „Moderne und Idyll“ und „Tierisch schön!“ eröffnen, kann der Kunstsommer auf der Museumsinsel Schloss Gottorf ganz beginnen. Schon gut einen Monat zuvor war Start der großen Sommerausstellung „Moby Dick und Röhrenkatze. 50 Jahre Kulturring“ in der Reithalle.

„Moderne und Idyll. Impressionismus in Deutschland“ – die Sonderausstellung im Gottorfer Kreuzstall greift die Schau aus dem Vorjahr auf und widmet sich teilweise mit neuen Bildern wieder den Anfängen der modernen Kunst in Deutschland. Um 1870 trat in Frankreich eine neue Kunstströmung hervor, die besonders die Darstellung von Licht und Atmosphäre in den Mittelpunkt stellte. Die von Kunstkritikern als „Impressionismus“ bezeichnete Malweise wurde bald darauf auch von Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland aufgenommen. Hier war der Impressionismus bis weit über die Wende zum 20. Jahrhundert hinaus eine der wichtigsten modernen Kunstrichtungen.

Paul Cézanne, Le déjeuner sur l’herbe, 1877 © Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch

Die Ausstellung zeichnet diese Erfolgsgeschichte nach: Sie zeigt den Impressionismus als „Kunst des modernen Lebens“, die ganz besonders das selbstbewusste großstädtische Bürgertum ansprach und sich in vielfältiger Weise mit den neuesten technischen Entwicklungen – insbesondere mit der Fotografie – auseinandersetzte. Gleichzeitig bedienten impressionistische Künstler in Deutschland aber auch das Bedürfnis nach Darstellungen unberührter Natur und idyllischer Landschaften, die dem großstädtischen Publikum einen ästhetischen Gegenentwurf zu den sich rasant verändernden Lebenswirklichkeiten anbieten konnten.

Die Ausstellung beginnt mit den französischen Ursprüngen des Impressionismus, mit ausgewählten Papierarbeiten von Künstlern wie Paul Cézanne, Edgar Degas, Edouard Manet, Auguste Renoir, Paul Signac und Henri de Toulouse-Lautrec. Bilder von Christian Rohlfs, Hans Olde und Max Liebermann zeigen, wie deutsche Künstler seit den 1880er Jahren erste impressionistische Elemente in ihre Kunst aufnahmen. Lovis Corinth, Walter Leistikow und Max Slevogt sind mit wichtigen Arbeiten vertreten, ebenso Lesser Ury, der bis in die 1920er Jahre seinem eigenständigen, sehr urban geprägten impressionistischen Stil treu blieb.

Lesser Ury, Vor dem Café, 1920er Jahre © Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch

Die Ausstellung integriert auch die Entwicklung in Norddeutschland und stellt Werke der Lübecker Gotthardt Kühl und Maria Slavona sowie der Hamburger Thomas Herbst und Ernst Eitner in den Kontext ihrer Zeit.

Ein eigener Ausstellungsbereich widmet sich dem Thema Fotografie, die etwa bei Hans Olde noch in erster Linie als technisches Hilfsmittel für Gemäldeentwürfe dient, während Heinrich Kühn und andere die Fotografie bereits vor der Jahrhundertwende als eigenständiges künstlerisches Medium entwickeln.
Einen fulminanten Endpunkt der Ausstellung bildet eine Auswahl von Werken des deutschen Spät- und Postimpressionismus mit Arbeiten von Emil Nolde, Wenzel Hablik und Arthur Illies.

Die Werke in der Sonderausstellung stammen zum Großteil aus der Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch, die dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte seit 2016 langfristig verbunden ist. Hinzu kommen Hauptwerke aus dem eigenen Sammlungsbestand des Landesmuseums.