Kulturhaus „Auf der Freiheit“

Kulturhaus „Auf der Freiheit“

27. April 2022 Aus Von Andreas Franke

Präsentation in der A. P. Møller Schule

Foto: Andreas Franke

Am vergangenen Freitag (22.04.2022) wurde die Planung des neuen Kulturhauses „Auf der Freiheit“ im Detail vom Architekten Petersen in der A.P. Møller Schule vorgestellt. Nachdem bereits vor vielen Jahren das Schleswiger Theater im Lollfuß der Abrissbirne zum Opfer fiel und seitdem Theaterveranstaltungen in Schleswig nur noch in eingeschränkten Umfang im Slesvighus stattfinden können, sollen jetzt endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Dazu soll das jetzige Heimat-Gebäude, in dem in den letzten Jahren ein Großteil des Schleswiger Kulturgeschehens stattfand, zu einem multifunktionalen Kulturhaus um- und ausgebaut werden. Dabei bleibt der Kern des Gebäudes erhalten und wird um alle Notwendigen Erweiterungen ergänzt, was den Umbau, energetisch gesehen, unheimlich effektiv mach und durch Einsparung einen komplett neuen Rohbaus und vorherigen Abrisses und Entsorgung des bereits bestehenden Gebäudes. Auch sonst wird bei dem Bau auf Energieeffizienz geachtet und zum Beispiel dessen große Dachfläche mit Photovoltaik ausgestattet werden. Sehr gut, so wird das Gebäude zum Kraftwerk und trägt zur Energiewende bei. Jedes regenerativ erzeugte Kilowatt Strom zählt und es sollte generell kein öffentliches Gebäude mehr ohne Photovoltaik gebaut und errichtet werden, vorhandene entsprechend schleunigst nachgerüstet werden! Die benötigte Wärmeversorgung wird durch die Stadtwerke erfolgen, was ebenfalls sehr effektiv ist.

Es werden Veranstaltungen mit ca. 600 Personen, bzw. Sitzplätze dort stattfinden können, die Räumlichkeiten können aber auch auf die 200 Sitzplätze für kleinere Veranstaltungen angepasst werden. Der Fußbodenbelag des Saales wird aus Parkett bestehen und damit auch bestens für Tanzveranstaltungen und Feiern, wie zum Beispiel Schul-, Vereins- oder Theaterbälle geeignet sein. Der Orchestergraben wird abdeckbar sein und so wären zum Beispiel auch Rock- und Pop-Konzerte, Varieté-Veranstaltungen wunderbar durchführbar und zeigt, dass ein solcher Multifunktionsbau deutlich sinnvoller für die kulturelle Vielfalt unserer Stadt ist als ein dedizierter Theater-Neubau, der dies alles nicht bieten würde. Klar, dass Veranstaltungen mit und ohne Bestuhlung durchführbar sein werden.

Neben dem Programm des Landestheaters und Sinfonieorchesters, wird es also weiter ein breites Kulturprogramm, wie es die „Heimat“ in den vergangenen Jahren bot, geben. Dazu kommen Slots und damit Auftrittsmöglichkeiten für regionale Künstler, insbesondere auch Bands, was mich als jemanden der seit seiner Schulzeit, also seit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrtausends, in der einen oder anderen Rock- und Pop-Formation gespielt hat, besonders freut. Ich habe mit meinen Bands zumeist auswärts gespielt und bis heute maximal eine Handvoll Konzerte in meiner Heimatstadt geben können. Einfach aufgrund des Mangels an (vernünftigen) Möglichkeiten. Die Qualität der Musik, die hier in der Stadt gemacht wurde, war in den 80er und 90er Jahren auf einem recht hohen Niveau, Unterstützung von offizieller Seite aber quasi nie existent.

Ein kleines Beispiel aus der Schleswiger Musik-Szene der 90er Jahre. Die Band konnte lediglich drei Konzerte in der Stadt spielen, soweit ich mich erinnere, wurde aber außerhalb Schleswigs von Veranstaltern gern gebucht.

Und ich freue mich, dass dies jetzt an dieser Stelle letztendlich doch möglich sein wird, auch wenn Schleswigs Musik-Szene, seit dem Abriss des FKKZ auf der Freiheit, mehr oder wenig zerschlagen, und kaum noch existent ist. Diese Art der Kultur braucht eben auch eine ordentliche Portion Förderung, hier gibt es für Schleswig noch viel nachzuholen.

Ich hoffe, dass die kreativen Musiker der Region (nicht nur Schleswig) zukünftig im Kulturhaus „Auf der Freiheit“ endlich für ein größeres Publikum sichtbar werden und sich angemessen präsentieren können und die Szene vielleicht wiederbelebt werden kann. (Träumen darf man ja wohl…) Wozu aber auch noch andere Dinge wichtig wären, nämlich Plätze und Räumlichkeiten, in denen die Musik entstehen kann, Plätze wie eben das vernichtete FKKZ auf der Freiheit. Das einer großen Zahl junger kreativer Menschen die Möglichkeit gab für einen fairen Preis tolle Proberäume zu mieten.

Ich würde mich auch freuen, wenn man vielleicht auch so eine Veranstaltung wie das „Rockpalästchen“ wieder aufleben lassen könnte. Das „Rockpalästchen“ fand früher in der Turnhalle des Landeskrankenhauses auf dem Hesterberg statt. Dort spielten in meiner Jugend unsere lokalen Helden vor einem gemischten Publikum aus behinderten und „normalen“ Menschen. Eine hervorragende Veranstaltung und ein tolles Beispiel für Inklusion, gerade auch in der damaligen Zeit, wo dies eigentlich noch kaum ein Thema war. Irgendwann schlief die Veranstaltung dann ein und es gab nie wieder etwas Vergleichbares in unserer Stadt.

Doch zurück zum Gebäude, persönlich finde ich den Entwurf des Kulturhauses sehr ansprechend und zu 100% gelungen. Er wirkt mit seinem schwarzen Dach und den verschiedenen Glaselementen durchaus offen und licht. Sehr skandinavisch, wie ich finde und das passt einfach toll in unsere Stadt. Seit langem mal wieder ein Bau in Schleswig, der nicht aussieht wie aus Lego zusammengesteckt. So gab es dann auch seitens eines anderen anwesenden Architekten ein großes Lob für die Planung des Gebäudes, was Herrn Petersen vermutlich runter ging, wie Öl. 😉

Das Kulturhaus soll Silvester 2025 eröffnet werden, drücken wir alle zusammen die Daumen, dass läuft wie geplant und dieses wunderbar durchdachte Kulturhaus unsere Stadt und ihre Kulturszene, pünktlich und im Kostenrahmen, bereichern wird. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf.

Wer alle Details erfahren möchte, der kann sich die Präsentation des Kulturhauses in folgendem Video in Gänze anschauen.