Das kleine besondere Festival

Das kleine besondere Festival

5. Juli 2022 Aus Von Andreas Franke

Internationales Clavierfestival im St. Johanniskloster in Schleswig

Wer einmal Konzerte besuchen möchte, klassische Musik hören möchte, bei denen es einmal entspannter zugeht als im Konzertsaal, in denen der Zuhörer auch Kontakt zu den Musikern bekommt und in denen nicht immer dieselben klassischen Komponisten und Werke gespielt werden der liegt hier richtig und sollte die Konzerte nicht verpassen.

Das Clavierfestival ist eine andere Art von Festival. Hier kommen wahre Meister ihres Faches kommen aus verschiedenen Ländern zusammen. Musiker die in Insiderkreisen längst Berühmtheit erworben haben aber trotzdem auf das zur Zeit übliche Showgehabe verzichten. Musiker die Nähe zum zuhörenden Publikum suchen und nicht einfach Auftreten, Abgehen und verschwunden sind.

Vor 12 Jahren gründete Kantor Matthias Müller aus Leer das Clavierfestival auf dem großen Schloss Hundisburg bei Magdeburg. Dann stellst sich schon gleich die Frage, warum schreiben die Clavier mit C? Ganz einfach!

Dieses Festival soll den Liebhabern von klassischer Musik aber auch solchen die es werden wollen die Chance geben, einmal in kurzer Zeit verschiedene Tasteninstrumente zu hören. Tasteninstrumente verschiedener Epochen und verschiedenster Klänge.

Matthias Müller ist ein Teil der „Famille musicale“, einem Freundeskreis von Musikern aus Europa, die zum Teil schon über 30 Jahre zusammen musizieren. Eigentlich müßte es Clavier plus heißen, da auch stehts Sängerinnen und Sänger von herausragender Qualität dabei sind. Macht es doch das jeweilige Konzert noch interessanter!

Ein wichtiger Aspekt des Festivals ist es: Es gibt keine Programme. Die Konzerte haben jeweils ein Thema und das Publikum kann sich sicher sein, dass die eingeladenen Musiker wunderschöne, interessante Musik spielen werden die wohl auch kaum im Radio oder auf CD zu finden ist.

Ferner ist es ein Ziel des Festivals, möglichst schöne unbekannte Werke, unbekannter Komponisten zu präsentieren. Von der Zeit der Barock mit Schwerpunkt in der Romantik und dem Impressionismus. Und das eben auf verschiedensten Instrumenten.

Denn Eines haben die Musiker alle zusammen: Sie schnüffeln weltweit gerne in Bibliotheken, Antiquariaten und Flohmärkten wo man dann, wenn auch selten, interessante unbekannte klassische Werke entdecken oder wiederentdecken kann.  Es ist also auch ein Festival für die, die gerne klassische Musik mögen es aber leid sind, immer wieder die selben Meister und Werke zu hören. Mal etwas Neues entdecken!

Die Musiker besprechen vorm Konzert was sie im jeweiligen Konzert spielen möchten. Und – das ist auch gut so! Denn nur so ist sichergestellt, dass der jeweilige Musiker auch wirklich das spielt, was er in diesem Zeitpunkt Lust hat zu Musizieren. Was zur Folge hat, und das ist Positiv für das Publikum, dass der Musiker mit vollem Herzen sein gespieltes Werk interpretiert. Es also nicht schon hunderte Mal in einem Konzert heruntergespielt wurde.

Und – die Musiker sagen ihre Werke selber an, erklären sie manchmal ein bisschen und somit kommt auch eine bessere, persönliche Verbindung von Publikum mit dem Solisten zustande.

2021 wagte sich ein Teil dieser musikalischen Familie zum ersten Mal nach Schleswig in das St. Johannes Kloster. Und siehe da, die Location und die Stimmung waren perfekt. Leider war der Besuch hinsichtlich der Coronazeit noch etwas verhaltener, aber jetzt kann man die Konzerte wieder ohne Einschränkungen genießen

Zum zweiten Mal also findet das internationale Clavierfestival vom 7. bis 10. Juli im St. Johanniskloster in Schleswig statt.

Den zweiten Versuch in der neuen Location wagen Matthias Müller und Josefine Hubalek nun mit 4 Musikern und mit 6 verschiedenen Tasteninstrumenten: Den beiden Orgeln des Klosters, einem Cembalo, einem wertvollen Kunstharmonium, dem Harmonium des Klosters sowie einem Russischen Bajan.

Aus Belgien wurden hierzu zwei Musiker eingeladen: Die bekannte Sopranistin Cristel de Meulder und der bedeutende junge Bajanspieler Bart Wils. Bajan – das ist das russische Akkordeon mit zahllosen Knöpfen. Ferner ist zum ersten Mal die polnische Contraaltistin Julia Fercho dabei. Alle drei Musiker zeichnen sich durch ihre hohe Musikalität aus. Sie sind alle weltweit tätig und freuen sich auf Schleswig.

Eine weitere Besonderheit dieses Festivals ist die Nutzung bzw. Vorstellung des Harmoniums. Leider aus Unwissenheit manchmal noch etwas belächelt zeigt sich, dass das Harmonium nicht nur ein Niescheninstrument wahr und ist. Große Komponisten wie Tschaikowsky, Saint-Saens, Strauss, Rossini, Schumann uvm. haben für dieses Instrument komponiert. Als Soloinstrument, als Kammermusikinstrument oder als Instrument im Orchester.  Neben dem frisch restaurierten englischen Estey-Harmonium des Klosters erklingt das Non-plus-ultra, ein Kunstharmonium der Firma Mustel aus Paris aus dem Jahr 1875.

Ein sehr aufwendig zu spielendes Instrument welches wunderschöne und interessante Klänge erzeugen kann. Von Meditativ bis humorvoll hat doch so einige Komponisten hierfür Musik geschrieben die Matthias Müller seid über 30 Jahren weltweit spielt und das selbst skeptischste Publikum begeistert hat.

Beginnen wird das Festival am Donnerstag, 7.7. abends um 19 Uhr mit dem Thema: Musik und Literatur. Auch hierfür konnte eine in Schleswig nicht unbekannte Vorleserin gefunden werden: Konstanze Görres-Ohde.  Zusammen mit Josefine Hubalek der Priorin des Klosters werden Ausschnitte aus dem Buch Liebe in Zeiten des Hasses von Florian Illies vorgestellt. Zwischen den Lesungen erklingt passende Musik von allen teilnehmenden Musikern des Festivals.

Der zweite Abend ist, wie schon immer im Laufe des Festivals, einem privaten Konzert gewidmet. Dieses findet auch nicht im Koster statt.

Am Samstag dem 9.7. dann, um 16.00 Uhr, zu einem Konzert mit Kirchenmusik eingeladen. Kirchenmusik aus den verschiedensten Ländern Europas die nicht ständig zu hören ist. Auch hier werden wieder alle Musiker des Festivals zu hören sein, wobei grade Kantor Matthias Müller und Cristel de Meulder seid über 35 Jahren in vielen Archiven, Flohmärkten etc. unterwegs waren um Neues, Unbekanntes zu finden.  Wobei stets auf eine schöne Melodie gelegt wird.

Am Abend dann um 19 Uhr ist der Abend Musik und Kulinarik geplant. Dieser war bei den vorigen Festivals auf Schloss Hundisburg äußerst beliebt und auch dieses Jahr ist der Besuch nur unter Anmeldung möglich, denn die Sitzplätze sind begrenzt. Der Abend ist In drei Blöcken Musik und weiteren 3 Blöcken Kulinarik gestaltet. Die Musiker bereiten diese kleinen Amuse geule am Vormittag vor und werden dann nach und nach serviert. Wobei natürlich auch an hochwertige Getränke gedacht wird. Eine wunderbare Veranstaltung um den Samstagabend zu genießen.

Der Sonntag beginnt dann um 11. 30 Uhr mit einer Matinee mit zwei bei uns Instrumenten, dessen wahre Musik bei uns leider total unbekannt ist. Originalmusik für Harmonium und klassische Musik auf dem Bajan. Leider ist total in Vergessenheit geraten, dass das Harmonium nicht nur ein Kircheninstrument, sondern auch ein Soloinstrument und Orchesterinstrument ist. Dieses Konzert ist besonders dem großen Komponisten Cesar Franck gewidmet, von dem in diesem Jahr der 200. Geburtstag gefeiert wird.

Beendet wird das Festival dann am Sonntag um 16.00 Uhr mit einem Konzert der frisch restaurierten Bellmann-Orgel im Rempter. Jahrzehnte lang war die kleine Hausorgel des Komponisten des Schleswig Holstein Liedes falsch intoniert worden. Im Frühjahr 2022 wurde sie auf den alten Klang zurückgeführt. Dieses Konzert findet in Zusammenarbeit mit der Chemnitz-Bellmann-Loge statt, über die auch die Anmeldungen stattfinden.

Die Konzerte finden entweder in der Kirche, im Rempter oder im Innenhof des Klosters statt. Eintritt wird außer am Samstagabend nicht erhoben um möglichst Jedem den Zugang zu den Konzerten gewährleisten zu können. Allerdings hoffen die Musiker und die Organisatoren auf eine großzügige Spende da besonders die Kulturbranche hinsichtlich Corona sehr gelitten hat.

Weitere Info auf der Homepage www.clavierfestival.de  oder gerne via Telefon 0163/7896181

Im Kanal: Calcant Deutschland finden Sie eine Reportage des MDR über das Clavierfestival sowie verschiedenste Videos mit den Musikern.