Marktforschung zum 9-Euro-Ticket

Marktforschung zum 9-Euro-Ticket

21. Oktober 2022 Aus Von Andreas Franke

Nicht nur mehr Fahrgäste, sondern zeitweilig auch doppelter Marktanteil

Fahrgastzählungen ergaben auf den Strecken mehr als das 1,5-Fache der Nachfrage von 2019

Die Ergebnisse der landesweiten Marktforschung zum 9-Euro-Ticket und die Ergebnisse der Fahrgastzählungen auf den Linien von DB Regio im Sommer 2022 liegen jetzt vor. Danach hatte sich der Marktanteil des Nahverkehrs im Juli 2022 landesweit gegenüber 2019 mehr als verdoppelt, die Nachfrage auf den Linien von DB Regio war mehr als eineinhalbmal so groß wie 2019. Fahrgastzahlen der Linien der anderen Bahnunternehmen liegen noch nicht vollständig vor, auch hier ist aber von einer deutlichen Nachfragesteigerung auszugehen.

Im Juni 2022 betrug der Marktanteil der öffentlichen Verkehrsmittel in Schleswig-Holstein 8,7 Prozent, im Juli stieg er auf 14,7 Prozent, im August betrug er 9,5 Prozent. Im Mai 2022 hatte er noch 5 Prozent betragen und lag damit deutlich unter dem letzten Jahresdurchschnittswert aus dem Jahr 2019 in Höhe von 7,6 Prozent.

Die Nachfrage lag auf den DB Linien landesweit im Juni 57 Prozent über der Nachfrage von 2019, im Juli 55 Prozent und im August 56 Prozent. Dabei fiel die Zunahme in den Bahnnetzen unterschiedlich aus. Die Werte im Einzelnen für die Netze und die drei Monate im Vergleich zu 2019:

  • DB Regio Netz West (Hamburg – Westerland, Itzehoe – Heide): +25 % / +21% / +42 %
  • DB Regio Netz Mitte (Kiel/Flensburg – Hamburg): +72% / +65% / +62%
  • DB Regio Netz Ost (Lübeck – Hamburg, Kiel – Lübeck – Lüneburg, Lübeck – Puttgarden): +58% / +56% / +47 %
  • DB Regio Netz Nord (Kiel – Flensburg, Kiel – Husum, Husum – Bad St. Peter Ording): +99% / + 175% / + 144%

Die landesweiten Werte sind gewichtet nach der Verkehrsleistung.

Insgesamt wurden von Mai bis August rund 700.000 NAH.SH-9-Euro-Tickets verkauft. Dazu kamen rund 100.000 Abonnent*innen, Jobticket-Kund*innen und die Studierenden mit Semesterticket, deren Tickets automatisch zu 9-Euro-Tickets wurden.

13 Prozent der in der Stichtagsbefragung Befragten gaben an, dass sie ohne das 9-Euro-Ticket die Fahrt nicht unternommen hätten.

Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen: „Die Zahlen zeigen uns noch einmal sehr deutlich, was wir aus anderen Quellen und Erfahrungsberichten schon kannten: Das 9-Euro-Ticket hat tatsächlich deutlich mehr Menschen in die Züge gebracht und sogar den Marktanteil des Nahverkehrs erhöht. Bei aller Freude über diesen Effekt und bei aller Begeisterung für mögliche Nachfolgetickets zeigen die Zahlen aber ganz deutlich auch noch einmal, wo der Schuh wirklich drückt: beim Angebot. Wenn wir die Menschen in Bahn und Bus auch unterbringen wollen, müssen wir das Angebot deutlich ausweiten. Über 50 Prozent mehr Fahrgäste sind toll – aber wenn der Zug vorher schon voll war, ist das natürlich auf Dauer keine tragfähige Lösung. Wir brauchen jetzt vom Bund Geld: für ein Nachfolgeticket, als Ausgleich für die enorme Inflation und vor allem auch für den Ausbau des Nahverkehrs.“