Für eine nachhaltige Erinnerungskultur in Schleswig

Für eine nachhaltige Erinnerungskultur in Schleswig

2. November 2022 Aus Von Andreas Franke

Podiumsdiskussion zu Nationalsozialismus und Erinnerungskultur am 09.11.2022 um 18:00 Uhr im Stadtmuseum

Knut Kollex (freier Historiker), Jessica Krull (Fachbereich Bildung, Kultur und Ordnung) und Klaus Nielsky, (1. Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte). Foto: Andreas Franke

In Schleswig macht man sich gerade auf den Weg für eine nachhaltige und lebendige Erinnerungskultur. Insbesondere ist hier die Zeit des Nationalsozialismus in unserer Stadt von Belang, hier gibt es sehr viele dunkle Flecken und unangenehme Tatsachen, die einer genaueren Untersuchung, Aufarbeitung und derer man sich nun stellen und erinnern möchte. Der Anstoß dazu kam dazu aus der Politik. Der Kulturausschuss hat der Verwaltung den Auftrag gegeben ein nachhaltiges, umfassendes Gesamtkonzept für eine Erinnerungskultur für Schleswig zu entwickeln, erzählt Jessica Krull (Fachbereich Bildung, Kultur und Ordnung der Stadt Schleswig) im gestrigen (01.11.2022) Pressegespräch im Schleswiger Stadtmuseum. Es wurde ein Arbeitskreis gegründet, der immer weiter angewachsen ist und ziemlich groß geworden ist, außerdem gibt es für eine bessere Vor- und Nachbearbeitung eine Lenkungsgruppe:

  • Klaus Nielsky (1. Vorsitzender der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte)
  • Dr. Anke Carstens-Richter (Kultur)
  • Dr. Babette Tewes (Vorsitzende des Kulturausschusses)
  • Dr. Julia Pfannkuch und Jessica Krull (für die Verwaltung der Stadt Schleswig)
  • Knut Kollex (freier Historiker)

Historiker Kollex hat nun den Auftrag erhalten ein Gesamtkonzept für eine Erinnerungskultur in Schleswig zu entwickeln und hat bereits im August dieses Jahres seine Arbeit aufgenommen. Knut Kollex ist bereits tief in der Materie, da er für das Schleswiger Stadtmuseum zurzeit die NS-Abteilung überarbeitet.

Der 9. November, eine Podiumsdiskussion an einem historischen Datum

Am 09.11.2022 um 18:00 Uhr wird es in der Ausstellungshalle des Schleswiger Stadtmuseums eine Podiumsdiskussion zum Thema „Nationalsozialismus und Erinnerungskultur in Schleswig“ geben, die Knut Kollex moderieren wird. Für diese Veranstaltung konnte man mit Dr. Matthias Schartl (GfSS) und Dr. Harald Schmied zwei weitere Historiker hinzugewinnen. Man wünsche sich, dass möglichst viele Gäste an der Podiumsdiskussion teilnehmen und sich beteiligen, sagt Dr. Dörte Beier.

Diese Veranstaltung am geschichtsträchtigen Datum des 9. Novembers soll dazu dienen sich der Thematik zu nähern und ist als offenes Diskussionsforum gedacht, dass etwas lebendiger ist, wo die Zuhörerinnen und Zuhörern auch die Möglichkeit haben sollen eine Frage zu stellen und Impulse und Ideen einzubringen, sagt Knut Kollex. Herr Dr. Schartl wird erzählen, wie es in Schleswig zur Zeit des Nationalsozialismus aussah und wie man sich die damalige Situation vorstellen kann. Dr. Schmied wird als Experte für Erinnerungskultur darüber aufklären, was Erinnerungskultur im Detail bedeutet. Es geht einfach darum eine Gemeinsame Basis zu finden, denn vermutlich hat jeder von uns seine ganz persönlichen Vorstellungen, wenn er das Wort hört. Das wollen wir mal bei dieser Veranstaltung etwas näher beleuchten und über die Bandbreite des Themas informieren und alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, so Kollex weiter. Während vermutlich zu einer solchen Abendveranstaltung eher Menschen kommen, die sich ohnehin schon für das Thema interessieren, hat man sich überlegt wie man andere ebenfalls erreichen und ansprechen könne. Dazu gibt es einen Online-Fragebogen, den man in der ersten Runde an möglichst viele Schleswiger Institutionen (Vereine, Verbände, Zeitungen, Firmen, IHK, Gewerkschaften, kirchliche Einrichtungen), quasi an die gesamte Breite der Zivilgesellschaft schickt. Dazu muss man gar nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt haben, also in der Zeit schon existent gewesen sein, sondern es geht um die Frage wie wir heute damit umgehen, meint der Historiker. In einem weiteren Schritt soll dann eine etwas breiter angelegte Online-Befragung aller interessierten Bürgerinnen und Bürger Schleswigs erfolgen. Jeder kann dabei mitmachen, auch ohne Vorwissen. Für die Befragung wird größter Wert auf eine komplette Anonymisierung gelegt, so Kollex. Man erhoffe sich davon einerseits etwas mehr Aufmerksamkeit für das Thema und nicht zuletzt auch ein erstes Feedback. Es geht darum aufzuzeigen, wo man derzeit in Sachen Erinnerungskultur steht, den aktuellen Forschungsstand zusammenzuführen, aufzubereiten und einen kleinen Ausblick darauf zu geben, was denn eigentlich noch in Sachen Erinnerungskultur fehlt. Erinnerungskultur ist nichts Festes, nicht in Stein gemeißelt, sie soll sich fortentwickeln und dazu gehört eben auch das man sich zukünftig mit dem Thema beschäftigt. Sonst würde so eine städtische Erinnerungskultur wenig Sinn machen, betont Knut Kollex und letztendlich sei dies auch ein Bekenntnis der Stadt Schleswig.

Am 27.01.2023 möchte man sich dann noch einmal bei einer weiteren Veranstaltung mit dem Thema auseinandersetzen, dann eher in einem Vortragsformat, wobei auch dort Fragen erwünscht und möglich sind. Alle Ergebnisse werden dann zusammengeführt und ein Erinnerungskonzept daraus erarbeitet, welches dann möglichst zu der nächsten öffentlichen Veranstaltung zum 90. Jahrestag der Bücherverbrennungen in Schleswig am 23.06.2023 der Öffentlichkeit vorzustellen, sagt Herr Kollex.

Das Ganze soll auch Anstoß sein sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen, sagt Jessica Krull. Es gibt an vielen unterschiedlichen Stellen schon Arten sich zu erinnern, Gedenkstätten- und Veranstaltungen, Ziel sei es nun das alles zusammenzuführen, so dass nicht jeder einfach vor sich hin erinnert, sondern tatsächlich ein gemeinsames Ziel verfolgt und eine gemeinsame Erinnerungskultur erschafft die lebendig bleibt, wo wir auch junge Leute mitnehmen können, weshalb man eben auch aktiv an die Schulen herantritt, erklärt die Kulturmanagerin der Stadt Schleswig.

Podiumsdiskussion:

9. November 2022, 18:00 Uhr in der Ausstellungshalle des Stadtmuseums, Friedrichstraße 9-11, Eintritt frei

Fahrplan ( Oktober 2022 – Januar 2023)

Online-Umfrage Teil 1 (Institutionen)

  • 01.11.2022
    Gespräch AK Schulen zur Klärung Interesse/Möglichkeit einer schulischen Projektwoche zum Gedenktag 23.06.2022
  • 09.11.2022
    Veranstaltung „Historiker-Gespräch zum Nationalsozialismus“ mit den Historikern Dr. Schartl und Dr. Harald Schmied. Moderation: Kollex; Ort: Stadtmuseum
  • November 2022
    Online-Umfrage Teil 2 (Bürgerinnen und Bürger) mit anschließender Auswertung durch Herrn Kollex.
  • 27.01.2023
    Veranstaltung „Aufzeigen Bibliografie Veröffentlichungen zum Nationalsozialismus in Schleswig“; „historische Tatorte“ (für spätere Spaziergänge mit/ohne Stadtführer dorthin, Angebot für Projektwochen der Schulen), Zeitzeugen sowie Auswertung der Online-Umfrage