Wasserstoff – Eine Chance für Schleswig-Holstein?

Wasserstoff – Eine Chance für Schleswig-Holstein?

21. November 2022 1 Von Andreas Franke

Eine Info-Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren Schleswig und IHK-Flensburg Geschäftsstelle Schleswig

Patrick Langholz (Vorsitzender der Wirschaftsjunioren Schleswig), Prof. Dr.-Ing. Frank Osterwald und Stefan Wesemann (IHK-Flensburg, Geschäftsstelle Schleswig) auf der Informationsveranstaltung rund um das Thema Wasserstoff. Foto: Andreas Franke

Selk, 01.11.2022. Das Thema Wasserstoff ist zurzeit in aller Munde und zwischenzeitlich sollte auch jedem Bürger klar geworden sein, wie dringend wir diesen Energieträger für eine erfolgreiche Energiewende und eine auch in Zukunft florierende Wirtschaft benötigen. Doch das Thema ist Komplex, denn Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff, bzw. seine Herstellung kann sauber und klimaneutral sein oder eben auch das komplette Gegenteil. Auch kann man ihn intelligent und effektiv einsetzen oder z.B. in der privaten Mobilität recht ineffizient verschwenden. Am Beispiel von Batterie-Elektrischen Fahrzeugen, Fahrzeugen mit Brennstoffzellen, sowie den von Christian Linder und seinen Freunden bei Porsche so beschworenen E-Fuels für Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Letztere sind im Vergleich zu den beiden anderen Technologien mit 13% das absolute Schlusslicht in Sachen Energieeffizienz. Bei ihrer Produktion gehen sage und schreibe 87% der zu investierenden Energie einfach verloren. Etwas besser, aber eben auch nicht viel besser sieht es bei Fahrzeugen mit Brennstoffzelle aus, hier liegt die Effizienz über alles bei lediglich 22%, hier verschwinden also immer noch 78% der aufgewendeten Energie ungenutzt im Nirvana. Das Verhältnis dreht sich aber fast komplett um, sobald man elektrische Energie möglichst direkt, also z.B. mit E-Fahrzeugen mit Akku-Technologie verwendet. Mit einer Energieeffizienz von satten 73% schlägt diese die anderen beiden Verfahren um Längen.

Das ist aber lediglich ein Aspekt auf den Frank Osterwald (EK.SH) im Quellental in Selk ausführlich und sehr verständlich einging. Er berichtete auch von schlechten politischen Entscheidungen, gerade auch aus Brüssel, die es potenziellen Investoren schwer machen notwendige Entscheidungen zu treffen und aktiv zu werden und von der Bürokratie, die ebenfalls eine enorme Bremse beim Aufbau einer nationalen grünen Wasserstoff-Industrie darstellt.

Farbenlehre

Das Wasserstoff aus chemischer Sicht immer identisch ist, es aber große Unterschiede in seinem Ursprung und Herstellung gibt, war ebenfalls eine wichtige Thematik. Frank Osterwald machte dies bei seinen Ausführungen zur Wasserstoff-Farbenlehre deutlich und ja, alle anderen Herstellungsvarianten (schwarz, grau, blau, rot oder orange) neben den grünen Wasserstoff werden wir in Zukunft nicht gebrauchen können.

Gemeinde Bosbüll: Ein gutes Beispiel

Einige deutsche Gemeinden starten bereits durch, so zum Beispiel die Gemeinde Bosbüll die in Kooperation mit GP Joule eine nachhaltige Wärmeversorgung gesorgt hat. Bosbüll nutzt bereits heute die Abwärme des Elektrolyseurs, Strom aus PV und Windenergie für den Betrieb ihrer Wärmepumpe und den Heizstab in einem Pufferspeicher und erreicht so einen Deckungsanteil von satten 90% im Bereich der erneuerbaren Wärme und ist damit inzwischen der günstigste Wärmeanbieter in der Gemeinde Bosbüll. Jährliche Einsparung: 1,7 Mio. Euro und 380 t CO²äq! Damit gewann die Gemeinde dann auch die Energie Olympiade, dem Energiesparpreis für Kommunen in Schleswig-Holstein.

Fazit

Es geht also, wenn man nur will und anpackt. Man kann nur hoffen, dass die eigene Kommune diesem Beispiel folgt und entsprechend in die Hände spuckt und einfach macht. Der Abend hat sich gelohnt, man fühlte sich hervorragend aufgeklärt und konnte sein persönliches Vorwissen und damit seinen Meinungskompass wunderbar überprüfen. Für diejenigen unter euch, die nicht dabei sein konnten und sich im Nachhinein zum Thema Wasserstoff informieren möchten, habe ich den Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Osterwald hier zur Verfügung gestellt: